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Projekte

Unsere Arbeitsgruppe koordiniert fünf individuelle Ansätze zur Erforschung der Physiologie von Stress, dessen nachteiliger Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit sowie die pharmakologische Modulation streß-responsiver Systeme.

Die Physiologie des HHN-Systems und seiner Störungen bei psychiatrischen Erkrankungen ist noch nicht vollkommen verstanden. Michael Deuschle interessiert sich für Faktoren, welche die Aktivität unserer Stress-Systeme modulieren. Im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses steht die Aktivierung des HHN-Systems beim Altern und bei psychiatrischen Erkrankungen, vor allem bei Depression. Eine Vielzahl von pharmakologischen Therapien (Antidepressiva, CRH-Rezeptor-Antagonisten, Hemmer der Steroid-Synthese, GR-Antagonisten) bieten die Möglichkeit, das HHN-System zu dämpfen. Vor dem Hintergrund der Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe ist Michael Deuschle davon überzeugt, dass eine angemessene Aktivität der Stress-Systeme hilft, Gesundheit zu erhalten und "Eu-Stress" zu genießen. Seine derzeitigen Forschungsansätze sind:

  • Attribut der Streß-Systeme im gesunden Intervall bei depressiven Patienten
  • Antidepressiva und ihre Wirkung auf das HHN-System
  • Interaktion zwischen dem HHN-System und dem sympatho-adrenalen System
  • Regulation des Glukosestoffwechsels durch Psychopharmaka
  • Projekt im Rahmen des DFG-geförderten Projektes "European Graduate School Mannheim - Groningen": "Vascular Medicine", siehe auch grk880.uni-hd.de

Die Nebennieren sind die wichtigsten Stress-Organe unseres Körpers. Bei belasteten Personen produziert dieses 10 gr. schwere Organ Glucokortikoide, um dem Organismus bei der Bewältigung von Belastungen zu helfen. Bettina Weber-Hamann's Arbeit hat wesentlich dazu beigetragen, zu erkennen, dass bei depressiven Patienten nicht nur Glucokortikoide, sondern auch adrenale Androgene im Übermaß produziert werden. Bei chronischem Stress scheint eher eine allgemeine Antwort der Nebennieren als eine spezifische Glucokortikoid-Antwort vorzuliegen. Darüber hinaus führt chronischer Stress, wie wir am Beispiel der Depression zeigen konnten, zu Veränderungen unserer Körperzusammensetzung durch die Wirkung von Glucokortikoiden auf Knochen und Fettverteilung. Bettina Weber-Hamann hat wesentlichen Anteil an der Erforschung dieser Zusammenhänge und konnte zudem zeigen, dass viszerales Fett bei depressiven Patienten eine Vielzahl metabolischer Störungen nach sich zieht.Ihre derzeitigen Forschungsansätze sind:

  • Fettverteilung und metabolische Störungen bei Depression
  • Endokrine Aktivität viszeraler Fettzellen

Die Aktivierung von Stress-Systemen führt zu einer Vielzahl endokrin-metabolischer Störungen. Die Forschungsinteressen von Daniel Kopf decken den Bereich von Zucker- und Lipidmetabolismus bei psychiatrischen Patienten ab. Als Endokrinologe hat er nicht nur unsere Expertise im Bereich der Folgeerkrankungen depressiver Störungen erweitert, sondern auch wesentlich zum methodologischen Repertoire unserer Arbeitsgruppe beigetragen. Seine derzeitigen Forschungsinteressen sind:

  • Euglycemic clamp-Studien bei psychiatrischen Patienten
  • Fettstoffwechsel bei Depression
  • Glucose-Metabolismus bei neuro-degenerativen Erkrankungen

Depression ist bekanntermaßen ein wesentlicher Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung. Neben dem Suizid stellt die koronare Herzerkrankung wahrscheinlich die zweitwichtigste vermeidbare Todesursache bei depressiven Patienten dar. Die Forschungsinteressen von Florian Lederbogen, dem Internisten unserer Arbeitsgruppe, liegen vor allem im Zusammenhang aktivierter Stress-Systeme und ihrer Folgen für die Funktion von Thrombozyten und kardialen Funktionen. So wird in einem derzeit laufenden Projekt überprüft, ob tageszeitliche Veränderungen von Kortisol, einem wichtigen Stress-Hormon, mit einer Häufung wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktoren verbunden sind. Da Kortisol in den Speichel übertritt, sind die Konzentrationen dieses Hormons ohne Blutentnahme zu erfassen und ermöglichen die Untersuchung großer Kollektive, in diesem Fall einer Bevölkerungsstichprobe aus dem Raum Augsburg. Auch die Erhöhung des kardialen Risikos Depressiver könnte über eine gesteigerte Aktivität autonomer Stress-Systeme zumindest teilweise erklärt werden. Als Leiter unserer medizinisch-psychiatrischen Intensivstation ist Florian Lederbogen auch klinisch mit interdisziplinären Problemen befasst. Seine derzeitigen Forschungsinteressen sind:

  • Aktivität von Thrombozyten bei Stress
  • Herzfrequenz-Variabilität bei psychiatrischen Patienten
  • Epidemiologische Ansätze zum pathophysiologischen Zusammenhang zwischen Depression und Herzerkrankung

Die meisten klinischen Stressforscher konzentrieren sich auf die Aktivität des HHN-Systems bei depressiven Patienten. Die Forschungsinteressen von Barbara Alm liegen im Bereich "vernachlässigter" Stress-Erkrankungen, vor allem der Panikstörung und des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms bei Erwachsenen. Als Leiterin unserer Ambulanz hat sie die Möglichkeit wissenschaftliche Projekte bei Patientengruppen durchzuführen, die eine ambulante oder psychotherapeutisch-orientierte Behandlung bevorzugen. Ihre derzeitigen Forschungsinteressen sind:

  • Stress-Systeme bei Patienten mit Panikstörung
  • Stress-Regulation und Schlaf bei erwachsenen Patienten mit ADHD

Das Schlaflabor ist ein wesentliches Forschungswerkzeug unserer Arbeitsgruppe. Es bietet uns nicht nur die Möglichkeit, uns wissenschaftlich mit Schlafstörungen, vor allem Restless-legs-Syndrom, zu befassen, sondern erlaubt uns zudem die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Schlaf, Stress-Regulation und Lernen. Neben der Traumforschung sind dies wesentliche Forschungsinteressen von Michael Schredl. Als Psychologe erweitert er unsere Expertise hinsichtlich des Gebiets kognitiver Neurowissenschaften. Zusätzlich wird das Schlaflabor für neuro-endokrine Tests sowie psychopharmakologische Studien benützt. Derzeitige Forschungsaktivitäten des Schlaflabors sind:

  • Rolle des Schlafs für Lernen
  • Erforschung von Schlaferkrankungen, vor allem Restless-legs-Syndrom
  • Bedeutung der Träume bei psychiatrischen Patienten
  • Schlaf, Träume und Aktivität von Streß-Systemen bei Patienten mit Borderline-Störung

Alle diese Forschungsansätze wurden entwickelt, um die Übertragung von Wissen aus dem Bereich neurowissenschaftlicher Grundlagenforschung in klinische Studien zu erleichtern. Da Stress-Systeme eine wechselseitige Verbindung zwischen dem Gehirn und anderen Systemen unseres Körpers darstellt, scheint uns ein vertieftes Verständnis dieses komplexen Systems wesentlich, um die klinische Arbeit mit "gestressten" Menschen zu verbessern. Wir sind in der glücklichen Situation, mit Hilfe eines multidisziplinären Teams komplexe Zusammenhänge zu erforschen. Wir hoffen, dass wir dazu beitragen können, dass psychiatrische Patienten von den jüngsten Fortschritten im Gebiet der Neurowissenschaften profitieren werden.

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