Leitung: Prof. (apl.) Dr. Ch. Schmahl
 MitarbeiterInnen:
Dr. Petra Ludäscher; Dr. Iris Klossika; Dipl. Psych. Inga Niedfeldt; Dipl. Psych. Annegret Krause; Dipl. Psych. Friederike Hinrichs; Dipl. Psych. Dorina Winter

 Laufende Projekte

Schwerpunktthematik: Mechanismen der Emotionsregulation und -dysregulation

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Neuronale Korrelate der Emotionsregulation bei Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung vor und nach Dialektisch Behavioraler Therapie
 Inga Niedtfeld, Dorina Winter
In aktuellen Modellen der BPS wird eine affektive Hyperreagibilität und eine defizitäre Regulation von Emotionen in den Mittelpunkt gestellt, welche auf neuronaler Ebene mit einer Hyperreaktivität der Amygdala bei gleichzeitig verringerter präfrontaler Aktivität korrelieren. Auf Basis vorangehender Forschungsarbeiten kann hypothetisiert werden, dass die Selbstverletzung bzw. das Zufügen von Schmerz eine wichtige Rolle innerhalb des gestörten Emotionsregulationsprozesses haben könnte. Nach dem Modell von Gross stellen der Abzug attentionaler Ressourcen (attentional shift) sowie die Veränderung kognitiver Bewertungen (reappraisal) zwei typische Emotionsregulationsstrategien dar. Auf diese Strategien fokussieren neuropsychologisch basierte therapeutische Interventionen, die sich zur Behandlung von Störungen der Emotionsregulation als wirksam erwiesen haben, z.B. die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT). Durch ein Messwiederholungsdesign soll der Einfluss psychotherapeutischer Interventionen zur Verbesserung der Emotionsregulation (als Teil einer DBT-Behandlung) auf die genannten beiden Mechanismen der Emotionsregulation untersucht werden.
Förderung: DFG
Die Auswirkung emotionaler Ablenkung auf die Arbeitsgedächtnisleistung bei Patientinnen mit BPS
 Annegret Krause, Kooperationsprojekt mit Bernet Elzinga, Leiden, Niederlande
Viele Patienten mit BPS berichten über Schwierigkeiten, emotionale Erinnerungen an frühere traumatische Erfahrungen oder sich aufdrängende Gedanken zu unterdrücken. Die Fähigkeit zur Unterdrückung solcher Erinnerungen konnte in bisherigen Studien mit der Leistung des Arbeitsgedächtnisses in Verbindung gebracht werden. Außerdem gibt es Belege dafür, dass die Verarbeitung emotionaler Reize die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses grundsätzlich beeinflusst. In dieser Studie soll daher die Auswirkung emotionaler Ablenkung auf die Arbeitsgedächtnisleistung von Patienten mit einer BPS und gesunden Vergleichspersonen untersucht werden.
Zur Auswirkung innerer Anspannung auf die Impulsivität von Patientinnen mit BPS, ADHS und gesunden Probanden.
 Annegret Krause
Impulsivität ist ein zentrales Merkmal der BPS. Mehrere Studien zeigten eine erhöhte Trait-Impulsivität bei BPS-Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden. In Hinblick auf die Fähigkeit zur Impulskontrolle ließen sich allerdings nicht durchgängig Unterschiede finden. In bisherigen Studien wurde häufig nicht zwischen Trait- und State-Impulsivität unterschieden, wodurch situative Einflussfaktoren wie der aktuelle Grad der aversiven inneren Anspannung unberücksichtigt blieben. In dieser Studie wird Impulsivität bei Patientinnen mit BPS daher sowohl als Trait- als auch als State-Variable in Abhängigkeit des Grades aversiver Anspannung untersucht. State-Impulsivität wird anhand des subjektiven impulsiven Antriebs und der Fähigkeit zur Impulskontrolle sowohl unter Ruhebedingungen als auch nach einer kurzen Stressinduktion erfasst werden. Neben einer Kontrollgruppe gesunder Probanden wird eine klinische Kontrollgruppe mit Patientinnen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) untersucht.
Schwerpunktthematik: Schmerzverarbeitung bei Stress-assoziierten Störungen

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Schmerzschwellenerfassung mittels Laserreizen bei Patientinnen mit BPS
 Petra Ludäscher
Patientinnen mit BPS zeigen höhere Schmerzschwellen im Vergleich zu gesunden Kontrollprobandinnen. In der vorliegenden Studie wird untersucht, inwiefern ein vermindertes Schmerzempfinden mit Häufigkeit, Intensität und Art von Selbstverletzungen in Zusammenhang steht. Außerdem wird die Veränderungssensitivität der Schmerzwahrnehmung im Laufe einer psychotherapeutischen Behandlung untersucht.
Charakterisierung der Antinozizeption bei Borderline-Patienten – eine parametrische Laserstudie
 Iris Klossika
Ist die eingeschränkte Schmerzempfindlichkeit bei Borderline-Patienten auf die Interaktion bestimmter Gehirnregionen zurückzuführen? In früheren Studien unserer Abteilung wurden bei Borderline-Patienten auffällige Aktivierungen in bestimmten Gehirnarealen festgestellt, die für die Schmerzwahrnehmung relevant sind. Möglicherweise bildet sich hier der zerebrale Mechanismus ab, der zu einer niedrigeren Schmerzempfindlichkeit führt. Ziel der aktuellen Studie ist eine Untersuchung der genauen Beziehungen zwischen Aktivierung in den betreffenden Arealen einerseits sowie objektiver und subjektiv wahrgenommener Reizintensität andererseits. Diese Beziehungen sollen sowohl bei gesunden Probanden als auch bei Borderline-Patienten untersucht werden. Wir applizieren dazu schmerzhafte Laserreize verschiedener Intensitäten auf den Handrücken der Probanden und messen die Gehirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomographie.
Differentielle Verarbeitung von Oberflächen- und Tiefen-Schmerz bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)
 Iris Klossika Zahlreiche Untersuchungen zeigen eine deutlich reduzierte Wahrnehmung oberflächlicher Schmerzreize, z.B. Hitzeschmerz, bei Patienten mit BPS. Es wird vermutet, dass bei diesen Patienten insbesondere die kognitive Bewertung des Schmerzgeschehens im Vergleich mit gesunden Personen verändert ist. Noch nicht untersucht wurde in diesem Zusammenhang der so genannte Tiefenschmerz – z. B ischämischer Muskelschmerz - dem offenbar andere neuronale Verarbeitungsmuster zugrunde liegen, wie Untersuchungen an depressiven Patienten nahelegen. Bei diesen findet man zwar, ähnlich wie bei Borderlinern, eine reduzierte Wahrnehmung oberflächlicher Schmerzreize, dagegen aber eine verglichen mit Gesunden gesteigerte Empfindlichkeit für Tiefenschmerz. Wir untersuchen nun die neuronalen Verarbeitungsmuster von Tiefen- im Vergleich zu Oberflächenschmerz bei BPS-Patienten und gesunden Probanden, wobei wir vermuten, dass Borderliner beiden Schmerzarten gegenüber unempfindlicher sind als Gesunde, und dass eine Überaktivierung des dorsolateralen präfrontalen Kortex hierbei eine vermittelnde Rolle spielt.
Förderung: Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG)
Der Einfluss von Hydrocortison auf die Verarbeitung von traumatischen Gedächtnisinhalten bei Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung
 Petra Ludäscher, Christian Schmahl, Martin Bohus
Zahlreiche Studien konnten eine hemmende Wirkung einer erhöhten endogenen Cortisol-Ausschüttung sowie der Administration von Glukokortikoiden auf den Abruf von Gedächnitsinhalten zeigen. Patienten mit schwerer PTBS leiden unter einer automatisierten Aktivierung von traumatischen Gedächtnisinhalten (Intrusionen). Im Rahmen einer kontrolliert randomisierten Studie wird geprüft, ob die pharmakologische Erhöhung des Cortisolspiegels Intrusionen bei PTBS reduziert und mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) werden die neuronalen Korrelate von Intrusionen sowie der Einfluss von Glukokortikoiden auf die Hirnaktivierung während belastender Erinnerungen erfasst.
Schwerpunktthematik: Dissoziation und selbstverletzendes Verhalten

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Experimentelle Studie zum Einfluss akuter Dissoziation auf Lernprozesse und Informationsverarbeitung bei Borderline-Patientinnen.
 Friederike Hinrichs, Dorina Winter Dissoziation beschreibt die vorübergehende Unterbrechung der normalerweise integrierten Funktionen von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität und Wahrnehmung der Umwelt. Dissoziative Symptome treten bei einigen psychischen Störungen (z.B. Posttraumatische Belastungsstörung; Borderline-Störung) in gesondertem Maße auf und führen zu Aggravierung der Symptomatik und zu starker subjektiver Belastung der Betroffenen. Post-hoc-Analysen klinischer Studien zeigen, dass die Therapie psychischer Erkrankungen durch komorbide dissoziative Symptomatik deutlich beeinträchtigt wird. Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden gehäuft unter akuten dissoziativen Symptomen, die auch unter Labor-Bedingungen induziert werden können. In dieser Studie soll ein Design mit Skript-induzierter Dissoziation eingesetzt werden, um den Einfluss akuter Dissoziation auf einfache Lernprozesse und emotionale Informationsverarbeitung unter experimentellen Bedingungen zu untersuchen. Erwartet wird von diesen Untersuchungen eine Erweiterung unseres Wissens zur Bedeutung akuter dissoziativer Symptomatik in der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen.
Neurobiologische Korrelate selbstverletzenden Verhaltens
 Christian Schmahl, Sarah Reitz, Teresa Knorz
Selbstverletzendes Verhalten tritt häufig bei Stress-assoziierten Störungen, insbesondere der BPS auf. In diesem Projekt werden verschiedene Aspekte selbstverletzendes Verhaltenu.a. Gewebeverletzungen während fMRI untersucht, um neuronale Korrelate dieses pathologischen Verhaltens zu untersuchen
Soziale Interaktion (in Kooperation mit der AG Therapieentwicklung)

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Soziale Wahrnehmung bei Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
 Inga Niedtfeld
Das Symptom der Affektiven Instabilität bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) tritt häufig in sozialen Situationen auf, was zu einem Muster instabiler zwischenmenschlicher Beziehungen beitragen kann. Patienten zeigen darüber hinaus eine hohe Sensibilität für soziale Hinweisreize, die auf Zurückweisung oder negative Rückmeldung hindeuten. Weiterhin werden Schwierigkeiten bei dem Erkennen emotionaler Gesichtsausdrücke bei BPS berichtet, vor allem dann, wenn es sich um einen mehrdeutigen Gesichtsausdruck handelt. Bei der Präsentation neutraler oder mehrdeutiger Gesichter zeigten die Patienten einen sog. negativity bias, das heißt, sie nehmen diese Gesichter häufiger als negativ oder bedrohlich wahr. Im Rahmen von mehreren Studien mit Verhaltenstests sollen weitere Erkenntnisse zum negativity bias bei BPS gewonnen werden. Es wird angenommen, dass Aufmerksamkeitsprozesse eine Rolle spielen, die bei BPS durch eine starke Sensitivität für potentiell negative Reize gekennzeichnet sind.
Soziale Interaktionen bei Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
 Melanie Domsalla, Julia Ziegler Probleme im zwischenmenschlichen Bereich spielen bei der Borderlinepersönlichkeitsstörung eine große Rolle. Im Rahmen dieses Projektes sollen verschiedene Experimente durchgeführt werden, um Mechanismen und neuronale Grundlagen der Wahrnehmung sozialer Situationen und Interaktionen mit Hilfe von funktioneller Bildgebung und virtueller Realität zu untersuchen.
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