WHO

WHO-Zusammenarbeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, Genf) bestimmt in ihren Mitgliederländern Zentren für die Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen von Forschung und Ausbildung. Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) wurde erstmalig im Jahre 1980 zum WHO-Collaborating Centre bestellt und hat diese Funktion seither ohne Unterbrechung wahrgenommen. Für die aktuelle Redesignierung hat das ZI in enger Abstimmung mit der WHO beschlossen, neue fokussierte Kollaborationen und Aktivitäten mit einem allseitigem Nutzen für die beteiligten Institutionen und für die Betroffenen zu koordinieren.

Das abgestimmt auf die neuen Inhalte „WHO Collaborating Centre for Policy and Research on Mental Health“ am Zentranlinstitut wird in der neuen Redesignierungsperiode vom Mai 2010 bis zum Mai 2014 zukünftig schwerpunktmäßg folgende Themenkomplexe bearbeiten:

1. Representation of the interest of the WHO Regional Office for Europe Mental Health Programme in the framework of the European Mental Health Initiative

  • Koordinator der Initiative: Prof. Dr. Gunter Schumann, MD
    Chair of Addiction Biology, MRC-SGDP Centre, Institute of Psychiatry
    King's College, London
  • Teilnehmer für das ZI: Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des ZI, und Prof. Dr. Rainer Spanagel, Leitung der Abtl. Psychopharmakologie am ZI

2. Development of concepts and evaluation of innovative models of long-term care for people with dementia

  • Verantwortlich: Prof. Dr. Siegfried Weyerer, Ph.D., Dr. Martina Schäufele, Ph.D., Forschungs-AG “Psychiatrische Epidemiologie und Demographischer Wandel”

Archiv

Hintergründe der WHO-Zusammenarbeit

Hintergründe der WHO-Zusammenarbeit

Die Kooperation des ZI mit der WHO begann bereits 1978 mit der "WHO Collaborative Study on the Assessment and Reduction of Psychiatric Disability", einer Multicenterstudie zum Schizophrenieverlauf. Im Anschluss daran beteiligte sich das Zentralinstitut an weiteren WHO-Projekten, etwa die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters mit der Übersetzung und Evaluation der neuen Klassifikation psychischer Störungen (ICD10, Kap. F7-F9), und führte zur Evaluation der Psychosen-Klassifikation der ICD10 (Kap. F2) eine multizentrische Reliabilitätsstudie durch.

Seit August 1991 ist das ZI koordinierendes SCAN-Trainingszentrum für die deutschsprachigen Länder. SCAN steht für "Schedules for Clinical Assessment in Neuropsychiatry". Es handelt sich hierbei um ein umfassendes, an der ICD10 orientiertes klinisches Interview zur Erfassung der Symptomatik psychiatrischer Störungen des Erwachsenenalters, welches von der WHO und einer internationalen Arbeitsgruppe unter Mitwirkung des Mannheimer WHO-Zentrums entwickelt wurde. Die zentralen Aufgaben eines SCAN-Zentrums bestehen in der Übersetzung des SCAN und dazugehörender Dokumente, in der Begleitforschung (z. B. Prüfung der Reliabilität), in der Entwicklung und Durchführung von Trainingskursen und in der Beratung von Anwendern des SCAN und sonstiger WHO-Instrumente.

Desweiteren war das Mannheimer WHO-Zentrum an der Beratung und Umsetzung psychiatrischer Reformvorhaben im Großherzogtum Luxemburg (Regierungsauftrag: Nationales Programm über 16 Jahre) und auf regionaler Ebene in der Provinz Madrid, in der Stadt Campinas, Brasilien (über 2 Jahre) und in einigen deutschen Städten beteiligt. Außerdem unterstützt es zwei multizentrische Studien der WHO mit Forschungsprojekten zum Langzeitverlauf der Schizophrenie und zur Lebensqualität bei psychischen Erkrankungen.

Am Mannheimer WHO-Zentrum wurden Tagungen und Konferenzen der WHO organisiert und die Ergebnisse publiziert, z. B. zur Zukunft der psychiatrischen Krankenhäuser oder zur Beteiligung von Angehörigen und Psychiatrieerfahrenen an der psychiatrischen Versorgung.

SCAN-Trainingszentrum

SCAN-Trainingszentrum

Im Rahmen der Projektförderung durch das Bundesministerium für Gesundheit bis Ende 1994 und des Forschungsfonds der Universität Heidelberg in den Jahren 1995 bis 1997 konnte das SCAN-Zentrum die folgenden Aufgaben durchführen:

Übersetzungsaufgaben: Das SCAN 1.0 wurde von uns übersetzt und 1995 veröffentlicht, und Ende 1996 wurden Übersetzung und wissenschaftliche Begleitforschung zu SCAN 2.0 abgeschlossen. Eine häufige Kritik am SCAN betrifft die Zeitdauer der Durchführung, vor allem im klinischen Routineeinsatz. Deshalb wurde von der WHO die "SCAN Short Version" entwickelt, welche wir 1997 übersetzt haben. Die Anpassung des SCAN an die DSM-IV-Forschungskriterien erforderte eine weitere Revision (Version 2.1), mit deren Übersetzung wir Anfang 1998 begonnen haben.

Entwicklung eines ICD10-Algorithmus: Da Kursteilnehmer und SCAN-Anwender immer wieder nach Auswertungshilfen, insbesondere nach einem Diagnosen-algorithmus fragen, haben wir ein Computerprogramm für ICD10-Diagnosen entwickelt. Das Programm befindet sich in einer Testphase, deren Abschluß Ende 1998 vorgesehen ist.

SCAN-Trainingskurse: Zu den zentralen Aufgaben eines SCAN-Trainingszentrums gehört die Durchführung von Trainingskursen. Die vom Mannheimer SCAN-Zentrum veranstalteten Kurse benötigen i.d.R. eine volle Woche, doch haben wir auch mit einem auf drei Tage reduzierten Kursprogramm gute Erfahrungen sammeln können. Seit 1992 sind in 33 Kursen insgesamt 271 Teilnehmer in der Handhabung des SCAN unterrichtet worden.

Mitarbeit an multizentrischen Studien der WHO

Mitarbeit an multizentrischen Studien der WHO

Die Daten der WHO-Determinants of Outcome-Studie, einer in 12 Zentren in 10 Ländern durchgeführten Schizophreniestudie, sind der Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung zur Auswertung im Rahmen der ABC-Schizophreniestudie zur Verfügung gestellt und inzwischen vergleichend analysiert worden. Die SCAN-Projektgruppe führte im Zusammenhang mit der Modifikation der "International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps" Auswertungen mit dem multizentrischen Datensatz der WHO Behinderungsstudie durch. Das vom BMFT/BMBF bis November 1995 geförderte und von Dr. an der Heiden geleitete Projekt "Krankheitsverlauf, Therapie und Rückfälle bei Schizophrenen 14 Jahre nach Krankheitsbeginn" arbeitet seit 1991 mit der WHO im Rahmen der "International Study of Schizophrenia/ISoS", einer transkulturellen Untersuchung von 20 Forschungszentren aus 15 Ländern zum Langzeitverlauf der Schizophrenie zusammen.

Eine weitere Studie wird in Zusammenarbeit mit dem WHOQOL (Quality of Life)-Projekt der WHO von Dr. Kühner und bis 31.03.2006 auch von Prof. Henn durchgeführt. Diese durch den Forschungsfonds der Universität Heidelberg geförderte Studie befasst sich mit dem Verlauf depressiver Erkrankungen ab Klinikaufenthalt und der Untersuchung von Symptommaßen, der sozialen Anpassung sowie von Indikatoren der Lebensqualität über vier Messzeitpunkte. Für den letzten, ca 16 Monate nach Entlassung liegenden Zeitpunkt wird eine nach Alter und Geschlecht gematchte Kontrollgruppe aus der Mannheimer Normalbevölkerung mit demselben Instrumentarium wie die Patientengruppe untersucht.

Beratungstätigkeiten und Mitwirkung bei WHO-Konferenzen und -Programmen

Beratungstätigkeiten und Mitwirkung bei WHO-Konferenzen und -Programmen

Die vor einigen Jahren begonnenen Beratungstätigkeiten von Prof. Häfner für die Stadt Campinas in Brasilien und für das Großherzogtum Luxemburg im Rahmen des psychiatrischen Versorgungssystems sind inzwischen beendet. Die hierbei erstellten Analysen und Empfehlungen wurden veröffentlicht. Das Gesundheitsministerium Luxemburgs hat Prof. Häfner zum Präsidenten des wissenschaftlichen Beirats der für die Reform der psychiatrischen Versorgung errichteten Stiftung Mathëllëf bestellt.

Unter Vorsitz von Prof. Häfner fand 1996 in Lausanne (Schweiz) ein Consensus Meeting on Psychogeriatrics statt, welches von der WHO Section of Geriatric Psychiatry zusammen mit der International Psychiatric Association (IPA) und der Geriatric Psychiatry Section der World Psychiatric Association (WPA) veranstaltet wurde.

Die WPA hat ein weltweites Programm zur Bekämpfung von Stigma und Diskriminierung bei Schizophrenie mit Unterstützung der WHO entwickelt. Prof. Häfner hat bis 31.12.2005 als Chairman des Review Committee und als Mitglied des Steering Committee für das WPA Global Programm mitgewirkt.

Am 26. April 2006 wurde das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit für weitere vier Jahre als WHO Collaborating Centre for Research & Training in Mental Health wiederbestellt.

Direktor des WHO-Collaborating Centre

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg
Direktor des ZI
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Kontakt über

DrPH Susanne Ratzka
Referentin des Direktors
Tel.: 0621 1703-2003
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Publikationen

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