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08.02.2013

Untersuchungsergebnisse zu ADHS-Medikament Methylphenidat

BMC Psychiatry, Januar 2013: In der Januar-Ausgabe der Open Access Plattform des Fachjournals BioMedCentral Psychiatry wurden die Ergebnisse einer Datenbank-basierten Studie zur medikamentösen Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) veröffentlicht, die gemeinsam mit dem Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology (BIPS) durchgeführt wurde. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am ZI wertete die Daten von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren mit ADHS aus, die mit Methylphenidat (MPH) behandelt wurden oder eine Erstbehandlung mit MPH erhielten.

 

Ziel der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Untersuchung war es, die Häufigkeit (Prävalenz) der medikamentösen Behandlung sowie die Anzahl der Erstmedikation (Inzidenz) bei ADHS in Deutschland zu ermitteln. Eine weitere Fragestellung lag in der Erfassung der Häufigkeit von vorliegenden Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) bei der Erstbehandlung mit dem Wirkstoff Methylphenidat, der aktuell am häufigsten bei der medikamentösen Behandlung von ADHS eingesetzt wird. Hierzu wurden die Häufigkeiten von psychiatrischen, hirnorganischen und kardiovaskulären Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ausgewertet, und zwar auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Daten aus den Jahren 2004 bis 2006, erfasst in der Deutschen Pharmakoepidemiologische Forschungsdatenbank (GePaRD).

 

Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass im Jahr 2005 in Deutschland bei insgesamt 1,5% aller Kinder und Jugendlichen Methylphenidat als medikamentöse Intervention bei ADHS verabreicht wurde. Dabei offenbarte der Geschlechtervergleich, dass Jungen viermal häufiger Methylphenidat erhielten als Mädchen. Ein Anstieg der Methylphenidat-Gabe wurde bei beiden Geschlechtern im Alter von sechs Jahren nachgewiesen. Am häufigsten wurde Methylphenidat im Alter von zehn Jahren (bei Jungen) und elf Jahren (bei Mädchen) verschrieben. Im Vergleich zu Mädchen wurde im Jahr 2006 bei Jungen mehr als dreimal häufiger mit der Behandlung von Methylphenidat begonnen. Die Erstbehandlung im Alter von neun Jahren war bei beiden Geschlechtern am häufigsten.

 

Betrachtet man die Begleiterkrankungen bei Erstbehandlung mit Methylphenidat, so konnte ein klarer Unterschied zwischen Kindern und Jugendlichen mit ADHS und in der Kontrollgruppe (Kinder und Jugendlichen ohne ADHS) nachgewiesen werden. So wurde bei 83% der Kinder und Jugendlichen mit ADHS eine psychiatrische Begleiterkrankung diagnostiziert, jedoch nur bei 20% in der Kontrollgruppe. Hinsichtlich der hirnorganischen und kardiovaskulären Erkrankungen waren zwei Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ADHS und Erstmedikation mit Methylphenidat betroffen und nur 1,2% der Kontrollgruppe.

 

Die Ergebnisse der Datenbankauswertung verdeutlichen anschaulich, dass Kinder und Jugendliche mit der Diagnose ADHS bei Beginn der Behandlung mit Methylphenidat gleichzeitig sehr häufig durch eine weitere psychiatrische Erkrankung beeinträchtigt sind. Hirnorganische und kardiovaskuläre Erkrankungen treten dagegen eher selten auf, jedoch häufiger als bei Kindern und Jugendlichen ohne ADHS. Im Hinblick auf die Kontraindikationen bei der Gabe von Methylphenidat sollte daher das Risiko der Behandlung mit Methylphenidat mit dem Risiko bzw. den Folgen eines unbehandelten ADHS sorgfältig abgewogen werden.

 

Kontakt für die Presse:

Professor Dr. Dr. Tobias Banaschewski

Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Tel.: 0621 1703-4502

E-Mail: tobias.banaschewski zi-mannheim.de

 

Publikation:

Kraut AA, Langner I, Lindemann C, Banaschewski T, Petermann U, Petermann F, Mikolajczyk RT, Garbe E. Comorbidities in ADHD children treated with methylphenidate: a database study. BMC Psychiatry. 2013 Jan 7. [Epub ahead of print] 13:11