Dialektisch Behaviorale Therapie für Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit (DBT-PTSD)
 Die erste Studie, in der die Veränderungen in der Symptomatik durch die DBT-PTSD mit den Veränderungen während einer Wartezeit verglichen wurden, ist beendet.
Posttraumatische Belastungsstörung (Posttraumatic Stress Disorder: PTSD): Zugrunde liegt ein traumatisches Lebensereignis wie z.B. ein Unfall, schwere körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen. Die zentralen Symptome sind belastende Erinnerungen in Form von z.B. Bildern an das traumatische Ereignis oder Alpträume bezogen auf das traumatische Ereignis. Die Betroffenen beginnen Erinnerungsauslöser (z.B. Gerüche, Geräusche, Menschen mit bestimmten Merkmalen) zu vermeiden. Sie werden zunehmend nervöser, reizbarer und schreckhafter. Der Schlaf ist durch Alpträume und Grübeleien gestört. Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, verschlechtert sich. |
Forschungsergebnisse zeigen, dass zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung die Auseinandersetzung mit dem traumatischen Ereignis und mit den traumabezogenen Gedanken und Gefühlen zentral ist. Da jedoch viele Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit häufig unter weiteren schwerwiegenden Symptomen leiden, fürchten sowohl Therapeuten als auch Patienten selbst, durch eine Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit in eine tiefe Krise zu rutschen. Insbesondere bei Patienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung stellt dies ein häufiges Problem dar. Aus diesem Grund verweisen viele ambulant arbeitende Therapeuten ihre Patienten auf eine stationäre Traumabehandlung. Viele Kliniken können aufgrund zeitlicher und personeller Limitierung „nur“ Stabilisierungsübungen vermitteln und erste Gespräche zur Traumatisierung anbieten. Eine Auseinandersetzung findet nur in den seltensten Fällen statt.
Unsere klinische Erfahrung sowie die Ergebnisse erster Studien zeigen, dass die Bearbeitung von traumatischen Erfahrungen, wie sexuellem Missbrauch in der Kindheit, auch bei Patienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung möglich und äußerst hilfreich ist. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, eine Behandlung speziell für Borderline Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach Gewalterfahrungen in der Kindheit und / oder Jugend zu entwickeln.
Ausgehend von den Behandlungserfolgen der Dialektisch Behavioralen Therapie haben wir hierfür Strategien der Dialektisch Behavioralen Therapie mit Elementen der klassischen Traumatherapie kombiniert. . In unserer Studie boten wir 36 Patientinnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung nach sexuellen Missbrauch und zusätzlicher Borderline Symptomatik (mindestens 4 von 9 Kriterien erfüllt), Essstörungen, Suchtmittelmissbrauch, und/oder Depression eine stationäre 12 wöchige DBT-PTSD Therapie an. Weitere 38 Patientinnen warteten über 6 Monate auf diese Therapie. (Die übliche Wartezeit betrug zu dieser Zeit 1 Jahr!) Ein Vergleich mit dieser Gruppe ermöglicht es uns einzuschätzen, wie sich die posttraumatische Symptomatik ohne eine Psychotherapie bzw. mit einer traumaunspezifischen Therapie in 6 Monaten verändert. Beide Gruppen wurden zu Beginn, während der Wartezeit, nach der Therapie und in der Folgezeit untersucht. Die Ergebnisse werden aktuell ausgewertet. Wir können jedoch schon sagen, dass die Patientinnen, die die DBT-PTSD Behandlung erhielten, zum Ende der Behandlung deutlich weniger Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung zeigten als die Patientinnen, die auf die Behandlung warteten. Ungefähr ein Drittel der Patientinnen erfüllten nicht mehr die Kriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Vor dem Hintergrund, dass unsere Teilnehmerinnen schwerste und mehrfache Traumatisierungen erleben mussten, sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Schauen wir uns nur die Patientinnen an, die die Diagnose einer Borderline Persönlichkeitsstörung (5 von 9 Kriterien erfüllt) erhielten, so zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Es gab keine Zunahme an selbstverletzendem Verhalten oder Essproblemen. Keine Patientin unternahm einen Suizidversuch. Hieraus folgern wir, dass die Behandlung auch sehr gut für Patientinnen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung geeignet ist. In einem gut vorbereiteten, strukturierten Rahmen, wie in unserer stationären Einheit, muss es nicht zu einer Krise in Folge der Traumabearbeitung kommen.
Die Ergebnisse sind äußerst erfolgversprechend. Da wir jedoch durch stationäre Therapie nicht jede Patientin erreichen können, haben wir begonnen, die DBT-PTSD auch für den ambulanten Behandlungsrahmen zu entwickeln.
Die ambulante DBT-PTSD umfasst 45 Therapiesitzungen im Einzelsetting. In diesen Sitzungen finden sowohl die Skillsvermittlung als auch die Auseinandersetzung mit dem traumatischen Ereignis und den traumabezogenen Gedanken und Gefühlen statt. Um die DBT-PTSD möglichst gut den Bedürfnissen unserer Patienten anzupassen, werden die einzelnen Therapien sehr engmaschig beobachtet. Wöchentlich führen wir Supervisionen durch, in denen die Therapeuten die aktuelle Therapiesituation mit ihrer Supervisionsgruppe besprechen. Erste Patientinnen konnten bereits erfolgreich die ambulante DBT-PTSD Behandlung abschließen. Im nächsten Schritt werden wir eine erst kleinere, dann folgend eine größere Studie zur Erfassung der Wirksamkeit der ambulanten DBT-PTSD durchführen. Aufgrund dieser Studien können wir ambulante Behandlungsplätze für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung nach der Erfahrung eines sexuellen Missbrauchs und zusätzlicher Borderline Symptomatik anbieten. Wir würden uns freuen, von Ihnen zu hören!
Die Anmeldung zur ambulanten Therapie kann nach einer ausführlichen Diagnostik in unserer spezialisierten Ambulanz (0621-1703-4303) erfolgen.
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