Wann liegt eine chronische Depression mit frühem Krankheitsbeginn vor?
- Sie leiden seit mindestens zwei Jahren an einer Depression
- Die depressiven Zustände sind gekennzeichnet durch depressive Stimmung, Interessen- oder Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren, verminderten Antrieb oder gesteigerte Aktivitäten, Selbstwertprobleme, Schuldgefühle, häufige Gedanken an den Tod, Konzentrationsprobleme, Entscheidungsschwierigkeiten, Schlaf- und Appetitstörungen.
- Die ersten Anzeichen einer Depression sind schon vor ihrem 21. Lebensjahr aufgetreten.
Diagnostik
In unserer störungsspezifischen Diagnostik werden Ihre aktuellen Beschwerden sowie Ihre Krankheitsvorgeschichte und Biographie detailliert erfasst. Neben psychologischen Gesprächen kommen auch strukturierte klinische Interviews und standardisierte Symptomfragebögen zum Einsatz.
Beratung
Im Anschluss an die Diagnostik erhalten Sie eine ausführliche Rückmeldung zu Ihren Untersuchungsergebnissen. Basierend darauf besprechen wir Ihr Behandlungsanliegen und beraten Sie über die Möglichkeit einer störungsspezifischen Therapie, z.B. im Rahmen der nachfolgend beschriebenen Therapiestudie oder in einer unserer Ambulanzen beziehungsweise bei niedergelassenen Psychotherapeuten.
Therapiestudie
Depressive Erkrankungen nehmen bei einem Drittel aller Fälle trotz medikamentöser und/oder psychotherapeutischer Behandlungsversuche einen chronischen Verlauf. In den letzten Jahren wurden jedoch neue erfolgversprechende Therapiemethoden zur Behandlung chronischer Depressionen entwickelt, deren Wirksamkeit aber noch mit wissenschaftlichen Methoden gesichert werden muss.
In unserer Hochschulambulanz führen wir daher eine wissenschaftliche Studie durch, in der die Wirksamkeit zweier unterschiedlicher Psychotherapieverfahren bei chronisch depressiven Patienten mit frühem Krankheitsbeginn miteinander verglichen wird. Für dieses Projekt können wir noch Patienten aufnehmen, die seit mindestens zwei Jahren depressiv sind. Sie erhalten kostenfrei eine 48-wöchige ambulante Behandlung mit 32 Sitzungen Einzelpsychotherapie.
Die eine Hälfte der Patienten wird mit einem Verfahren behandelt, das eine störungsspezifische Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie darstellt und im Amerikanischen unter dem Namen Cognitive Behavioral System of Psychotherapy (CBASP) bekannt ist. Die zweite Hälfte der Patienten erhält eine Therapieform, die weniger stark strukturiert ist und auf der Unterstützung des Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung beruht. Diese Therapieform ist in den USA unter dem Begriff System of Supportive Psychotherapy (SYSP) bekannt. Da in dieser Studie zwei unterschiedliche Psychotherapieformen verglichen werden, muss vor Beginn der Psychotherapie eine eventuell bestehende antidepressive Medikation abgesetzt werden. Diesen Schritt sollten Sie allerdings gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt sorgfältig abwägen. Informationen zu den Psychotherapieverfahren
 CBASP ist eine Therapieform, die speziell für chronisch depressive Personen entwickelt wurde. man geht davon aus, dass bei chronisch depressiven Patienten eine Entwicklungsstörung vorliegt, die eine Folge von frühen ungünstigen Entwicklungsbedingungen (z. B. Vernachlässigung, Missbrauch) ist. In der Folge entstehen Probleme bei der Selbstwahrnehmung und er Wahrnehmung von zwischenmenschlichen Erfahrungen. Um diesen Mangel auszugleichen, haben sich die Betroffenen oft einen Verhaltensstil im zwischenmenschlichen Umgang angeeignet, der neue Probleme mit sich bringt, so dass spätere soziale Kontakte unbefriedigend verlaufen und zunehmend vermieden werden. In der Therapie soll daher gelernt werden, die zwischenmenschlichen Auswirkungen des eigenen Verhaltens zu erkennen und gezielt Probleme zu lösen. Vermeidungsverhalten und daraus folgende Hilflosigkeit sollen durch eine aktive Problembewältigung ersetzt werden.
Die allgemein-unterstützende Psychotherapie (SYSP) wurde nicht speziell zur Behandlung von chronischen Depressionen entwickelt, zeigte in der Vergangenheit aber ebenfalls günstige Wirkungen bei diesem Störungsbild. Ihre Wirksamkeit basiert auf allgemeinen psychotherapeutischen Wirkfaktoren, hierzu gehören eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung mit einem verständnisvollen, unterstützenden und einfühlsamen Therapeut/en/in, das Bewusstwerden der eigenen Gefühle, der Verweis auf Erfolgserlebnisse und die Vermittlung von Hoffnung sowie Ermutigungen. Ein weiteres Ziel des SYSP ist, dass die Patientin/der Patient die Krankheit besser versteht und besser mit ihr umgehen kann.
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