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PD Dr. Inga Niedtfeld

DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft NI 1591/1-2: Der negativity-bias in der Verarbeitung von sozialen Informationen bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. 01/2020-12/2023.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist charakterisiert durch ein Muster von Instabilität in der Emotionsregulation, Impulskontrolle, im Selbstbild und in interindividuellen Beziehungen. Obwohl die meisten BPS Patienten (85%) über eine Zeitspanne von zehn Jahren Episoden symptomatischer Remission gemessen an den diagnostischen Kriterien zeigen, sind es nur 35% der Patienten, die eine Remission mit guter sozialer Funktionsfähigkeit über den Zeitraum von 10 Jahren aufweisen. Daraus folgt, dass die Instabilität in zwischenmenschlichen/interpersonellen Beziehungen eines der stabilsten Symptome der BPS zu sein scheint. Dysfunktionale Verhaltensweisen wie selbstverletzendes Verhalten oder Suizidversuche häufen sich ebenfalls im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Problemen. Dies hat manche Autoren zu der Annahme geführt, die interpersonelle Sensitivität könnte ein kausaler Faktor für emotionale Instabilität sein. Alternativ könnte jedoch argumentiert werden, dass interpersonelle Probleme bei der BPS durch eine dysfunktionale Emotionsverarbeitung aufgrund von limbischer Hyperreakivität bedingt sind. Die aktuellen Behandlungsansätze für die BPS haben sich als sehr effizient hinsichtlich der Reduktion von Problemverhalten wie Selbstverletzung, Dissoziation oder Suizidversuchen gezeigt. Die erzielten Verbesserungen der sozialen Funktionsfähigkeit hingegen sind jedoch vergleichsweise gering ausgeprägt. Daher erscheint es für die Entwicklung weiterer effektiver therapeutischer Interventionen als äußerst wichtig, die grundlegenden Mechanismen sozialer Probleme im Rahmen der BPS noch besser zu verstehen. Neuste Forschungsergebnisse zu Sozialer Interaktion bei der BPS legen nahe, dass Beeinträchtigungen in zwischenmenschlichen Beziehungen mit Defiziten bezüglich Vertrauen und der Bereitschaft zur Kooperation zusammenhängen. Zwei unserer bisherigen Studien untersuchten die Beziehung zwischen Borderline-Merkmalen und dispositioneller Kooperation (Hepp et al., 2014, Thielmann et al., 2014). Wir konnten zeigen, dass Borderline-Merkmale mit geringen Verträglichkeits-Werten verbunden sind, was darauf hinweist, dass es bei Personen mit starken Borderline-Merkmalen eine verstärkte Tendenz gibt, sich rächen zu wollen und nachtragender zu sein als Personen mit wenigen Borderline-Merkmalen. Außerdem konnten wir diese Ergebnisse auf das Verhalten in Kooperations-Aufgaben ausweiten und zeigen, dass beeinträchtigte reaktive Kooperation (z.B. mehr Vergeltung) mit einem hohen Maß mit Borderline-Eigenschaften zusammenhing, was mediiert wurde durch geringe dispositionelle Verträglichkeit. Über eine geringe dispositionelle Verträglichkeit hinaus führen Defizite in der sozialen Informationsverarbeitung eventuell zu einer Beeinträchtigung des prosozialen Verhaltens, woraus ebenfalls zwischenmenschliche Probleme resultieren können. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes sollen zugrundeliegende Prozesse sozialer Kognition untersucht werden, die möglicherweise in Kooperationsschwierigkeiten bei BPS resultieren. Basierend auf dem theoretischen Hintergrund der sozialen Informations-Verarbeitung untersuchen die einzelnen Studien verschiedene Aspekte sozialer Kognition (z.B. komplexe Emotionserkennung, Persönlichkeitswahrnehmung, Enkodierung sowie Abruf im Langzeit-Gedächtnis) bei BPS Patienten verglichen mit gesunden Personen und Patienten, die an einer sozialen Angststörung leiden.

Niedtfeld I. DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft NI 1591/4-1: Psychophysik der Funktionellen Neurologischen Symptome und die Rolle der Emotionsregulation bei deren Entstehung. 01/2020-12/2023.

Patienten, die unter neurologischen Symptomen leiden (etwa Bewegungsstörungen, Schwindel, Sehstörungen, Hörstörungen, Sensibilitätsstörungen), suchen in der Regel zunächst einen Hausarzt, einen Facharzt für Neurologie oder eine neurologische Klinik auf. Die Patienten erwarten, dass hier eine somatische Diagnose gestellt und entsprechend behandelt wird. Jedoch findet sich bei 16 bis 30% der Patienten in neurologischen Fachabteilungen keine somatische Ursache für die Symptomatik (Carson et al., 2000; Stone, Carson, et al., 2010). In vielen Fällen findet daraufhin eine weiterführende somatische Diagnostik statt, häufig ohne Ergebnis (Klaus et al., 2013). Nur in wenigen Fällen wird rasch die korrekte Diagnose einer Störung mit Funktionellen Neurologischen Symptomen (FNS) (American Psychiatric Association, 2013) vergeben und dem Patienten kommuniziert. Dies stellt für den Patienten eine belastende Situation dar, die häufig zu einer Verschlechterung der Symptomatik führt (Carson et al., 2003). Patienten mit FNS sind häufiger als Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen aus medizinischen Gründen arbeitsunfähig und berichten über mehr körperliche Symptome (Carson et al., 2011). Wiederholte, häufig nicht indizierte, Untersuchungen und organische Therapieversuche führen zu erheblichen Kosten im Gesundheitssystem (Healthcare Improvement Scotland, 2012). Im Schnitt dauert es 7 Jahre, bis diese Patienten eine psychotherapeutische Behandlung erhalten, obwohl diese die Therapie der Wahl bei FNS darstellt (Espay et al., 2009; Scheidt, Hartkamp, & Loew, 1998). Die psychotherapeutischen Ansätze zur Behandlung von FNS sind in Anlehnung an die Behandlung von schweren dissoziativen Störungen (Bullock, Mirza, Forte, & Trockel, 2015) oder somatoformen Störungen (Kroenke, 2007; van Dessel et al., 2014) entstanden, haben jedoch keine zufriedenstellende Wirksamkeit für FNS gezeigt (Goldstein & Mellers, 2017; Kroenke, 2007). Derzeit liegen zu wenige experimentelle Studien bezüglich der Psychopathologie und Aufrechterhaltung von FNS vor, um vorliegende therapeutische Ansätze zu verbessern. Da die FNS somit eine Schnittstelle von Neurologie und Psychologie betrifft, soll innerhalb dieses Forschungsprojektes ebenfalls multiprofessionell vorgegangen werden. Im Kontext einer neurologischen Universitätsklinik werden Patienten mit FNS im Regelbetrieb im Vergleich zu einer Gruppe von Patienten mit ähnlichen Symptomen, die somatisch bedingt sind (Schlaganfall), sowie einer somatisch und psychisch gesunden Kontrollgruppe untersucht. Hierfür werden psychologische Modelle und experimentelle Methoden sowie klassische neurologische Testverfahren (Quantitative Sensorische Testung, QST) eingesetzt.

Niedtfeld I. DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft Teilprojekt B1 des GRK2350: Impact of Adverse Childhood Experiences on Psychosocial and Somatic Conditions Across the Lifespan. 04/2018-03/2021.

Young Researchers Award, ZI, Mannheim : Ecological momentary assessment of antecedents and consequences of non-suicidal self-injury. 07/2016-06/2019.

Current laboratory-based studies emphasize the role of self-inflicted pain as a dysfunctional attempt to regulate negative emotions in patients with NSSI. However, proximal antecedents and consequences of NSSI have not been studied comprehensively in the daily life of BPD patients so far. Consequently, we aim to investigate daily life conditions that lead to NSSI events, and direct consequences at the psychological and endocrinological level in patients with BPD.


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