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Valery Grinevich erhält ECNP-Award 2021

ZI-Forscher Valery Grinevich ist mit dem international renommierten ECNP-Award ausgezeichnet worden – für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Erforschung der Neuropeptid-Signalgebung im Gehirn. 

Grinevich erforscht, wie sich Botenstoffmechanismen im Gehirn auf Stress, Angst und Sozialver-halten auswirken – vom molekularen Niveau hin zur Ebene des gesamten Organismus.

Grinevich erforscht, wie sich Botenstoffmechanismen im Gehirn auf Stress, Angst und Sozialverhalten auswirken – vom molekularen Niveau hin zur Ebene des gesamten Organismus. Foto: ZI © Daniel Lukac

Prof. Dr. Valery Grinevich, Leiter der Abteilung für Neuropeptidforschung in der Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), erhält den ECNP Forschungspreis 2021. Der Award des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) wird jährlich für außergewöhnliche Verdienste in den angewandten und translationalen Neurowissenschaften verliehen. 
Grinevich erforscht, wie sich Botenstoffmechanismen im Gehirn auf Stress, Angst und Sozialverhalten auswirken – vom molekularen Niveau hin zur Ebene des gesamten Organismus. Hierzu arbeitet er mit bahnbrechenden viralen, opto- und chemogenetischen, elektrophysiologischen sowie verhaltensorientierten Ansätzen. 

Gliazellen als relevantes Ziel des Hormons Oxytocin

Zu Grinevichs herausragenden wissenschaftlichen Beiträgen zählt die Entdeckung, dass die axonale Freisetzung von Neuropeptiden – exemplarisch nachgewiesen an Oxytocin – zur Neuropeptid-Signalgebung im Gehirn beiträgt. Damit wird die über viele Jahre vorherrschende Vorstellung der passiven Diffusion von Botenstoffen von der Ursprungsquelle durch das gesamte Gehirn entscheidend erweitert. Zur Unterstützung dieses Konzepts hat Grinevichs Team erfolgreich die Existenz eines Oxytocin-Engramms (Oxytocin-Zell-Ensembles) des Angstgedächtnisses nach-gewiesen – wobei spezifische Oxytocin-Schaltkreise noxische und nicht-noxische Reize in Schmerz-, beziehungsweise Sozialverhalten übertragen.

In jüngster Zeit hat Grinevich Gliazellen als interessantes und verhaltensrelevantes Ziel von Oxytocin identifiziert. Diese konzeptionell neuartigen Mechanismen sind eine Herausforderung für die Neuropeptid-Forschung. Folglich wurde eine tiefgreifende Basis für translationale Studien ge-schaffen, deren Fokus auf neuartige Behandlungen von sozio-emotionalen Erkrankungen mit Hilfe von Neuropeptiden liegt.

Erfindung von leistungsfähigen technischen Methoden

Um diese Ergebnisse zu erhalten, haben Grinevich und sein Team leistungsfähige technische Methoden zur Markierung und Manipulation von peptidergischen Neuronen durch zelltyp-spezifische virale Vektoren entwickelt. Dazu zählt die Entwicklung von ex vivo sowie in vivo opto- und pharmakogenetischen Methoden und deren Anpassung für den Neuropeptidbereich. Diese Methoden haben es Grinevich ermöglicht, die Neuropeptidfreisetzung selektiv zu kontrollieren und anschließend die Eigenschaft und Kinetik der endogenen Neuropeptidwirkung zu entschlüsseln. Indem er diese Methoden veröffentlichte und mit mehr als 40 Laboren auf der ganzen Welt teilte, hat Grinevich dem Fortschritt auf dem Gebiet der Neuropeptidforschung international einen bedeutenden Impuls verliehen. 

Die Forschungsergebnisse von Grinevichs Team wurden in hochrangigen Fachzeitschriften wie Neuron und Nature Neuroscience veröffentlicht sowie in internationalen Medien wie The Guardian, Die Zeit, Le Temps, Arte und ARD vorgestellt. Grinevichs Forschung wird durch renommierte Förderer wie die Chica und Heinz Schaller Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Royal Society of Edinburgh und die Fritz-Thyssen-Stiftung unterstützt – ein weiterer Beleg für dessen Bedeutsamkeit. 

Schlüsselfigur der europäischen Neuropharmakologie

Bei der Bekanntgabe des Awards betonte Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, ZI-Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender des ECNP Award Committees: „Valery Grinevichs Errungenschaften in der Neuropeptidforschung haben die translationale Pharmakologie psychischer und metabolischer Störungen entscheidend vorangebracht und ihn zu einer Schlüsselfigur der europäischen Neuropharmakologie gemacht. Seine Arbeit zur Entschlüsselung der funktionellen Organisation von Neuropeptid-Gehirnschaltkreisen ist ein herausragendes Beispiel für die Stärke und den Erfindungsreichtum der europäischen angewandten Neurowissenschaften und verdient den ECNP Neuropsychopharmacology Award 2021 in der präklinischen Forschung voll und ganz.“

Vortrag zu Oxytocin bei Preisverleihung

Valery Grinevich wird den Preis während des 34. ECNP-Kongresses-Hybrid vom 2. bis 5. Oktober 2021 in Lissabon entgegennehmen, wo er auch die ECNP Neuropsychopharmacology Award Plenary Lecture zum Thema „Oxytocin: new faces of an old peptide“ halten wird. 
Mit dem ECNP Award werden innovative und herausragende Forschungsleistungen in den angewandten und translationalen Neurowissenschaften ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich abwechselnd in den Bereichen Grundlagenforschung und klinische Forschung vergeben. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, das sich der Preisträger mit Nachwuchskräften teilen kann. ECNP ist eine unabhängige wissenschaftliche Vereinigung, deren Ziel es ist, die Wissenschaft des Gehirns voranzutreiben, eine bessere Behandlung zu fördern und die Gesundheit des Gehirns zu verbessern. 



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de