Start Forschung ZI-Personalia

ZI-Personalia

Ehemaliger ZI-Forscher erhält bedeutenden Tierschutzpreis

Der Ursula-M.-Händel-Tierschutzpreis geht unter anderem an PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori. Der ehemalige ZI-Forscher hat mit seiner am ZI entstandenen Arbeit Big Data für die Neurobiologie nutzbar gemacht.

Der Ursula-M.-Händel-Tierschutzpreis geht unter anderem an den ehemaligen ZI-Forscher PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori. Der mit 100.000 Euro dotierte Preis würdigt Arbeiten, die den Tierschutz in der Forschung entscheidend verbessern. Noori hat in seiner Arbeit, die am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim entstanden ist, Big Data für die Neurobiologie nutzbar gemacht.

Der Mathematiker, Physiker und Mediziner PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Ursula-M.-Händel-Tierschutzpreis ausgezeichnet worden. Noori, der früher am ZI tätig war und derzeit am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen forscht, hat in seiner preisgekrönten Arbeit den Einsatz von Big Data in der Neurobiologie ermöglicht. Damit können sich Tierversuche deutlich reduzieren lassen. Noori teilt sich den Preis mit der Toxikologin Prof. Dr. Ellen Fritsche vom Leibnitz-Institut für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität, die für die Entwicklung eines Testsystems für Chemikalienwirkungen ausgezeichnet wird. Dieses könnte in Zukunft die bei toxikologischen Tests eigentlich vorgeschriebenen Tierversuche möglicherweise vollständig ersetzen.

Tierschutz entscheidend verbessern

Der mit jeweils 50.000 Euro dotierte Preis wird bereits zum siebten Mal an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die den Tierschutz in der Forschung im Sinne des 3R-Prinzips verbessern. Die drei R stehen dabei für Replace (Vermeiden), Reduce (Verringern) und Refine (Verbessern). Die Preisträgerin und der Preisträger wurden unter 16 Bewerbungen ausgewählt. Wegen des sehr starken Bewerberfelds entschloss sich die Jury in diesem Jahr, den Preis zu teilen. „Die DFG als Forschungsförderorganisation hat ein ureigenes Interesse an einer konsequenten Umsetzung und Weiterentwicklung des 3R-Prinzips. Die Qualität von Forschungsergebnissen ist unmittelbar an einen verantwortlichen Umgang mit Versuchstieren geknüpft“, sagte DFG-Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Becker, die den Ursula-M.-Händel-Tierschutzpreis am 23. November 2018 in Berlin verleihen wird.

Daten von fast 150.000 Ratten zur Verfügung gestellt

PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori nutzt neue Ansätze aus Mathematik, Datamining und Maschinellem Lernen, um die Vielzahl publizierter Daten aus neurobiologischen Forschungsprojekten der letzten Jahrzehnte an Ratten auszuwerten. Allein durch die komplexe Analyse vorhandener Daten gelang es Noori – ohne einen weiteren Tierversuch – die biochemischen Schaltkreise im Rattengehirn aufzuklären, die grundlegend für die Informationsverarbeitung im Gehirn sind. Die Daten von zurzeit fast 150.000 Ratten stellt Noori in einem zweiten Schritt in zwei Open-Access-Datenbanken zur Verfügung, die Forscherinnen und Forscher weltweit nutzen können, um neuroanatomische und neuropharmakologische Forschungsfragen zu bearbeiten. Die Datenbanken helfen dabei, Fragestellungen in silico, also durch Analyse bereits vorliegender Datensätze zu beantworten, oder neue Versuche stringenter zu planen. Die Nutzbarmachung von Big Data im Bereich der präklinischen Neurowissenschaften birgt insgesamt großes Potenzial für den Tierschutz in der Forschung. Der Leiter des Instituts für Psychopharmakologie am ZI, Prof. Dr. Rainer Spanagel, ist begeistert über die Auszeichnung. „Ich habe über viele Jahre zusammen mit Hamid Noori neue In-silico-Wege beschritten die zu einer deutlichen Reduktion von Tierversuchen geführt haben. Diese neuen Ansätze können jetzt von einer Vielzahl von Wissenschaftlern genutzt werden und ich freue mich sehr für Herrn Noori, dass die DFG die Tragweite dieser Bemühungen sieht“, sagte Spanagel.

Stifterin setzte sich für Tierschutz ein

Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht auf die Initiative seiner gleichnamigen Stifterin zurück. Die Düsseldorferin Ursula M. Händel (1915–2011) setzte sich über Jahrzehnte in vielfältiger Weise für den Tierschutz ein. So gründete sie unter anderem den „Bonner Arbeitskreis für Tierschutzrecht“, dessen Arbeiten Eingang fanden in die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Dem Tierschutz in Wissenschaft und Forschung besonders verbunden, stellte Händel der DFG die Mittel für den Tierschutzpreis zur Verfügung. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Weitere Meldungen des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de