ZI-Aktuell

02.12.2015

40-jähriges ZI-Jubiläum

Prof. Dr. Johanna Wanka bei ihrer Ansprache im Rittersaal anlässlich des ZI-Jubiläums

Festakt im Barockschloss Mannheim

 

Das ZI feierte sein 40-jähriges Jubiläum am 20. November im Barockschloss Mannheim gemeinsam mit fast 150 Gästen und Mitarbeitern; beginnend mit einem feierlichen Festakt und einem daran anschließenden wissenschaftlichen Symposium. Aus der zur Gründung 1975 visionären Idee, Forschung, Lehre und Krankenversorgung im Herzen der Stadt zu etablieren und darüber hinaus zu vernetzen, hat sich das ZI in den vergangenen vierzig Jahren zu einem der führenden Forschungsinstitute in seinem Bereich in Europa entwickelt und leistet für die Mannheimer Bevölkerung psychiatrische Krankenversorgung auf höchstem Niveau.

 

Der Vorstandsvorsitzende des ZI, Professor Andreas Meyer-Lindenberg, betont, dass vierzig Jahre für einen Menschen wie für eine Institution ein signifikantes Jubiläum ist, das Anlass bietet, innezuhalten und Rechenschaft abzulegen. Zusammenfassend beschreibt er das ZI als „eine glückliche und auch eine geglückte Institution“. Als entscheidend für einen glücklichen Lebensentwurf seien die positive soziale Einbettung sowie die sinnvolle berufliche Aufgabe. In beiden Bereichen sei das ZI ein Glückskind. Der erste Aspekt des Glücks betreffe die soziale Einbettung, die seit der Gründung des ZI durch die kontinuierliche Förderung durch die Stadt Mannheim, das Landes Baden-Württemberg und den Bund gegeben ist. Dafür stattete Meyer-Lindenberg seinen besonderen Dank ab. Der zweite Aspekt des Glücks betrifft die sinnvolle Arbeit. Das ZI stellt seine Arbeit in den Dienst der psychisch Kranken. Und wer die Daten zu Häufigkeit und Erkrankungsschwere aufmerksam lese, dem sei in den letzten Jahren zunehmend klar geworden, dass die psychischen Erkrankungen eine der wirklich großen, wenn nicht die zentrale Herausforderung im Bereich der großen Volkserkrankungen darstelle, der sich das ZI mit seinen Forschern und Therapeuten stellt. Die gemeinsame Vision verbinde das ZI auch mit seinen Partnern, wie beispielsweise der Helmholtz-Gesellschaft. Professor Meyer-Lindenberg schließt seine Begrüßungsrede mit dem Dank an die mehr als 1100 große Mitarbeiterschaft, die kreativ, kritisch und konstruktiv ihre Kompetenzen in den Dienst der seelischen Gesundheit stellt.

 

Bundesministerin Professor Johanna Wanka zitierte zu Beginn ihrer Festrede ein Gedicht von Erich Kästner über die Depression: „Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und man ist angefüllt mit nichts als Leere. Man ist nicht krank und auch nicht gesund. Es ist, als ob die Seele unwohl wäre...". Worte, die das Leiden der Betroffenen deutlich machen. Denn psychische Erkrankungen stehen mittlerweile in Deutschland an zweiter Stelle der häufigsten Krankheitsarten und das Bekenntnis dazu sei, auch wenn sich vieles in der Wahrnehmung verbessert habe, immer noch nicht so selbstverständlich wie ein Beinbruch. So lobte Wanka besonders den gesellschaftlichen Beitrag, den das ZI mit seiner Forschung leiste und verwies auf das in 2014 vom Bund ins Leben gerufene „Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen“, von dessen Projekten das ZI zwei Verbünde koordiniert. Sie gratulierte weiterhin dem anwesenden Gründungsdirektor Professor Häfner zu seiner Vision und Beharrlichkeit, ohne die es das ZI in seiner heutigen Form nicht gäbe.

 

Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bekräftigte die wichtige Rolle des ZI als Forschungsinstitution: „Ursprünglich ausgehend von den Bereichen Sozialpsychiatrie und Epidemiologie über die biologische Psychiatrie hin zur translationalen therapiegeleiteten Forschung ist es den Verantwortlichen gelungen, das ZI zu dem zu machen, was wir heute vorfinden: eine Einrichtung, die ganz vorn in der Champions League mitspielt.“ Ihr Ministerium finanziere die bauliche Weiterentwicklung des ZI, die in der Gesamtsumme 132 Millionen Euro umfasse, mit dem beträchtlichen Anteil von 59 Millionen Euro. Zudem sei das ZI neben den Medizinischen Fakultäten im Land in den Hochschulfinanzierungsvertrag eingebunden, mit dem das Land Baden-Württemberg den Hochschulen bis 2020 einen verlässlichen Aufwuchs der Grundfinanzierung um drei Prozent pro Jahr garantiere.

 

Der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Bernhard Eitel, gratulierte ebenfalls dem ZI, das als „Leuchtturm der Metropolregion Rhein-Neckar“ auch für die Region stehe, die in der Kombination von Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen einmalig in Deutschland sei.

 

Mit sehr persönlichen Dankesworten an die vielen am Erfolg des ZI beteiligten Akteure schloss Katrin Erk, Kaufmännisch-administrativer Vorstand des ZI, den Festakt. Dabei berief sie sich auf den englischen Philosophen Francis Bacon, der sagte: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind“. Die Würdigung der Bundesministerin sieht sie als einen Ansporn weiterzumachen und die Arbeit intensiv fortzusetzen. Für die jahrelange Unterstützung und die aktuelle Förderung des Neubauprojekts, das die Weiterentwicklung der Forschung, klinischen Versorgung und Lehre ermöglicht, gilt ihr Dank dem Wissenschaftsministerium und Ministerin Bauer. Dem Finanzministerium, vertreten durch das Aufsichtsratsmitglied Ltd. Ministerialrat Alfred Dietenberger, und dem Sozialministerium gilt der Dank für ihre hervorragende Kooperation. Insbesondere bedankte sie sich bei der Universität Heidelberg, vertreten durch Rektor Professor Bernhard Eitel, und bei der Medizinischen Fakultät Mannheim, vertreten durch den Dekan Professor Sergij Goerdt. Die Zugehörigkeit zur Universität Heidelberg sei seit der Gründung des ZI ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Ohne eine erfolgreiche Berufungspolitik und ohne die Einbettung in richtungsweisende Strukturen, die Deutschlands erfolgreichste Universität bietet, wären die zahlreichen wissenschaftlichen Ausrufezeichen, die das ZI im Laufe seiner Jahre setzen konnte, kaum denkbar gewesen“, so Erk. Von der Stadt Mannheim, für die Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb in Vertretung des Oberbürgermeisters anwesend war, fühlt sich das ZI in seiner Arbeit sehr wertgeschätzt. Von Anfang an konnte sich das ZI mit Unterstützung der Stadt inhaltlich, aber auch räumlich entwickeln. Richtungsweisend war und ist bis heute der Mut, Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen mitten in der Stadt gerecht zu werden und ihnen ein exzellentes vernetztes sektoren- und trägerübergreifendes Versorgungsangebot zu ermöglichen.

 

Der Nachmittag gehörte ganz der Wissenschaft und dem interdisziplinären Austausch. Zum Symposium unter dem Motto „WISSEN.SCHAFT.GESUNDHEIT“ trafen sich fast zweihundert Forscher aus der Metropolregion Rhein-Neckar im Rittersaal. Nach der Begrüßung durch Professor Andreas Meyer-Lindenberg berichtete der Gründungsdirektor, Professor em. Heinz Häfner, aus der spannenden Gründungsgeschichte des ZI und wie das ZI zu seinem heutigen Standort kam. Professor em. Fritz Henn, Direktor von 1994 bis 2006, führte den roten Faden weiter und berichtete über die erfolgreichen Neugründungen im Forschungsbereich und den weiteren Ausbau des ZI während seiner Amtszeit.

In fünf Vorträgen stellten renommierte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland ihre unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte und Ansätze in der Hirnforschung vor. Professor Tanja Singer (Max-Planck-Institut für Kognition und Neurowissenschaften, Leipzig) berichtete über aktuelle Forschungsergebnisse zur „Plastizität des sozialen Gehirns“. Professor Ed Bullmore (Behavioural and Clinical Neuroscience Institute, University of Cambridge, Cambridge) schilderte die Bedeutung der cerebralen Vernetzung für Gesundheit und psychische Erkrankungen. Bei Professor Shitij Kapur (Institute of Psychiatry, Psychology and Neuroscience, London) stand das Störungsbild der Schizophrenie im Mittelpunkt. Professor Jim van Os (Medisch Centrum Afdeling Psychiatrie, Universität Maastricht) regte mit seinem Vortrag zur Diskussion über die nach wie vor spannende Frage zum Paradigma Genetik vs. Umwelt an und Professor Hannah Monyer (Abteilung Klinische Neurobiologie, Universitätsklinikum Heidelberg) schloss mit einem Vortrag über die Verarbeitung von Gedächtnisinhalten im der hippo-campalen Region des Gehirns.