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05.11.2018

Forschungsprojekt untersucht selbstverletzendes Verhalten von Jugendlichen

Neue Erkenntnisse zu Auslösern erlangen

Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen ist in Deutschland ein sehr häufig auftretendes Phänomen. Etwa jeder dritte Jugendliche hat sich zumindest einmalig selbst verletzt, etwa einer von 25 Jugendlichen tut dies häufig. Dabei steht zumeist nicht der Wunsch im Vordergrund, das Leben beenden zu wollen oder Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In den meisten Fällen versuchen Jugendliche dadurch, einen negativen Gefühlszustand zu beenden. Zwar konnte in den vergangenen Jahren in zahlreichen Forschungsprojekten gezeigt werden, welche Konsequenzen selbstverletzendes Verhalten auf der neurobiologischen Ebene hat. Doch noch immer sind entscheidende Fragen ungeklärt. In einem neuen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt soll daher unter anderem erforscht werden, was selbstverletzendes Verhalten auslöst und wie es verhindert und gestoppt werden kann. Außerdem werden neuartige, internetbasierte Therapiekonzepte untersucht und Fortbildungen für ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen konzipiert.

Neurobiologische Grundlagen verstehen

Das Forschungsprojekt „STAR“ unter der Leitung von Prof. Dr. Paul Plener (Universitätsklinikum Ulm, Medizinische Universität Wien) ist am 1. November 2018 gestartet und gliedert sich in fünf Teilprojekte. „STAR“ steht für Self-Injury, Treatment, Assessment, Recovery (Selbstverletzung, Behandlung, Bewertung, Genesung). ZI-Wissenschaftler erforschen im Teilprojekt „STAR-NEURO“ die neurobiologischen Veränderungen im Gehirn von Betroffenen. „Das Wissen um die neurobiologischen Grundlagen von selbstverletzendem Verhalten bei Jugendlichen kann sowohl den Behandlern als auch den Jugendlichen selbst beim Verständnis dieser oft komplexen Symptomatik helfen“, sagt Prof Dr. Christian Schmahl, Ärztlicher Direktor der Klinik Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI). „Nur, wenn wir die Prozesse verstehen, können wir passgenaue Hilfe anbieten“, sagt Schmahl, der das Teilprojekt „STAR-NEURO“ leitet.

Möglichst breites Bild der Veränderungen bei selbstverletzendem Verhalten

Die ZI-Forscher bringen verschiedene Methoden, etwa Bildgebung, Genetik, hormonelle Analysen oder Methoden aus der Stressforschung, zusammen. So wollen sie ein möglichst breites Bild der neurobiologischen Veränderungen bei selbstverletzendem Verhalten gewinnen. Geklärt werden soll insbesondere, was mögliche Auslöser sein können und was hilft, selbstverletzendes Verhalten zu beenden. Neben dem ZI sind die Universitätskliniken Ulm und Heidelberg, die Universitäten Koblenz-Landau und Frankfurt sowie das Karlsruher Institut für Technologie und die Medizinische Hochschule Brandburg an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Jugendliche können über Online-Befragung teilnehmen

Das Projekt lebt von der Mitwirkung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit selbstverletzendem Verhalten. Dies kann von der Teilnahme an einer Online-Befragung, bis zur Teilnahme an der Online-Therapie reichen. Jugendliche und junge Erwachsene, die in der Nähe eines der Zentren in Ulm, Heidelberg, Mannheim, Landau oder Neuruppin beziehungsweise Berlin leben, sind auch eingeladen an einer zusätzlichen Erhebung (mit Untersuchung neurobiologischer Grundlagen) von selbstverletzenden Verhalten vor Ort teilzunehmen. Ebenso können sich Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich für das Fortbildungsangebot interessieren, sich gerne für den entsprechenden Studienteil anmelden.