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Erste-Hilfe-Kurse für die Seele ab Frühjahr 2019 am ZI

Ein Programm für erste Hilfe in seelischen Krisen will das ZI nach australischem Vorbild künftig in Deutschland anbieten. Die Dietmar-Hopp-Stiftung spendet dafür fast 300.000 Euro.

Das Projektteam für Mental Health First Aid: (von links) Dr. Susanne Ratzka, Prof. Dr. Michael Deuschle und Psychologin Tabea Send. Foto: ZI

Was tun, wenn ein Kollege oder eine Freundin über längere Zeit niedergeschlagen ist oder vielleicht sogar Suizidgedanken äußert? Viele wissen nicht, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen oder wie sie Personen in seelischer Not unterstützen können. Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim wird ab Frühjahr 2019 ein Erste-Hilfe-Kurs für die Seele angeboten, der die nötigen Kompetenzen vermittelt.

Anschubfinanzierung durch Dietmar-Hopp-Stiftung

„Erste Hilfe in seelischen Krisen durch Laien fehlt bisher in der Versorgung in Deutschland. Das wollen wir ändern“, sagt Michael Deuschle, Oberarzt der psychiatrischen Klinik des ZI. Er wird als Leiter des Projekts zusammen mit der Gesundheitswissenschaftlerin Susanne Ratzka und der Psychologin Tabea Send das Erste-Hilfe-Projekt in Mannheim auf die Beine stellen. Der Kurs stützt sich auf das Mental Health First Aid (MHFA)-Programm, das im Jahr 2000 in Australien entwickelt wurde. Inzwischen wird das Programm in über 20 Ländern angeboten, darunter USA, England und Dänemark. Die Dietmar-Hopp-Stiftung ermöglicht die Entwicklung des Projekts am ZI durch eine Anschubfinanzierung. Über zwölf Monate spendet die Stiftung ab Oktober 2018 insgesamt fast 300.000 Euro. Damit können unter anderem Kursinhalte übersetzt und die Trainer ausgebildet werden. Im Frühjahr 2019 sollen die ersten MHFA-Kurse in Mannheim starten.

Seelische Erkrankungen erkennen und verstehen

Die Kursteilnehmer werden lernen, wie man Anzeichen seelischer Erkrankungen und Alkohol- oder Drogenprobleme erkennt, wie man sie versteht und darauf reagiert. Das Training wird Fähigkeiten vermitteln, um jemandem erste Hilfe und Unterstützung zu bieten, der möglicherweise ein psychisches oder ein Drogenproblem entwickelt oder auch eine Krise erlebt. „Hierzu werden zuerst Informationen über psychische Krankheiten, wie Depressionen, Angststörungen und Psychosen vermittelt. Danach wird konkret mithilfe von Rollenspielen geübt – vor allem die Gesprächsführung beziehungsweise das richtige Zuhören“, erläutert Ratzka.

„Train-The-Trainer-System“ verspricht große Reichweite

MHFA ist ein Angebot für alle Erwachsenen. Insbesondere jedoch ist das Programm für Mitarbeiter sozialer und öffentlicher Einrichtungen bedeutsam. Das gilt zum Beispiel für Polizisten, Lehrer, Sozialarbeiter, Krankenschwestern, Juristen, aber auch für Mitarbeiter von Personalverwaltungen oder Vorgesetzte in allen Bereichen. Um möglichst schnell, möglichst viele Menschen in den Erste-Hilfe-Kursen ausbilden zu können, wird ein „Train-The-Trainer-System“ genutzt. MHFA wird in Mannheim Kurse für sogenannte Instruktoren anbieten. Diese bilden wiederum landesweit, zum Beispiel in Schulen, Betrieben, Behörden die eigentlichen Ersthelfer aus. Mit dieser zentralisierten Ausbildung von Kursleitern kann in relativ kurzer Zeit eine große Verbreitung erreicht und somit für eine bessere erste Hilfe von Menschen mit seelischen Problemen gesorgt werden.