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Jugendliche während des Corona-Shutdowns deutlich belastet

Der Corona-Shutdown war für Jugendliche und junge Erwachsene belastend. Laut einer repräsentativen Umfrage des ZI erfüllen über ein Drittel Kriterien einer mittelgradigen psychischen Belastung.

Psychische Belastung bei Jugendlichen während des Corona-Shutdowns

Keine einfache Zeit: Auch für Jugendliche und junge Erwachsene war der Corona-Shutdown belastend. Foto: stock.adobe.com © FollowTheFlow

Geschlossene Schulen und Universitäten, kein Sporttraining, keine Musikprobe und sich außerdem nicht mit Freundinnen und Freunden treffen – insbesondere während der umfangreichen Kontaktbeschränkungen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen, mussten sich auch Jugendliche und junge Erwachsene an einen neuen Alltag gewöhnen. In einer für Deutschland repräsentativen Umfrage haben Prof. Dr. Ulrich Reininghaus, Leiter der Abteilung Public Mental Health des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) und sein Team die psychosoziale Gesundheit von jungen Menschen (16 – 25 Jahre) während des Corona-Shutdowns untersucht. Unter anderem wollten die ForscherInnen herausfinden, welche Rolle digitale Gesundheits-Apps in Zeiten sozialer Isolation spielen könnten, um psychische Belastungen abzumildern.

Je stärker sozial isoliert desto wahrscheinlicher die psychische Belastung

Untersucht wurden die Zusammenhänge zwischen sozialer Isolation, Sorgen, Ängsten und psychischen Belastungen sowie Einsatz von und Einstellung zu Interventionen im Bereich von mobilen Gesundheitsanwendungen. 57 Prozent der jungen Menschen erfüllten Kriterien einer psychischen Belastung (leicht bis schwer), 38 Prozent sogar einer mittleren bis schweren psychischen Belastung. Des Weiteren fanden die ForscherInnen einen Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und psychischer Belastung. „Unsere Daten zeigen: Mit zunehmendem Grad der sozialen Isolation wurde das Risiko einer psychischen Belastung immer größer“, erklärt Christian Rauschenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZI und Erstautor der Studie.

Digitale Gesundheits-Apps könnten Belastungen mindern

Wenn während einer Pandemie persönlicher Kontakt vermieden werden soll und zum Beispiel Therapiesitzungen nicht stattfinden können, müssen andere Möglichkeiten gefunden werden, um die psychische Gesundheit zu verbessern. Digitale Gesundheits-Apps könnten hierbei helfen. „Wir haben herausgefunden, dass insbesondere junge Menschen, die mental gestresst, sozial isoliert und aufgrund der Corona-Pandemie beunruhigt waren, digitalen Anwendungen zur Abmilderung negativer psychosozialer Folgen gegenüber eher positiv eingestellt sind“, sagt Rauschenberg. Außerdem gaben Jugendliche und junge Erwachsene mit starken psychischen Belastungen, Sorgen und Ängsten häufiger an, solche Gesundheits-Apps aus den bekannten App-Stores bereits zu nutzen. „Es ist wichtig zu wissen, dass junge Menschen bereit sind, sich digitale Unterstützung zu suchen, wenn es ihnen mental nicht gut geht. Meist ist die Wirkungsweise solcher Apps aus den App-Stores jedoch nie wissenschaftlich untersucht worden. Es ist also völlig unklar, ob und wie diese Apps tatsächlich auf die psychische Gesundheit wirken“, erläutert Reininghaus. Die Studie zeigt, dass dringend digitale Anwendungen entwickelt und evaluiert werden sollten, die speziell auf die Verbesserung der psychischen Gesundheit während sozialer Isolation ausgerichtet sind. Zusätzlich sollten evidenzbasierte digitale Interventionen öffentlich zugänglich gemacht werden, um die psychiatrische Versorgung zu verbessern.

Die Arbeit befindet sich momentan in der Begutachtung, ist aber schon jetzt auf einem sogenannten Preprint-Server online verfügbar: https://psyarxiv.com/v64hf/  Das heißt die Arbeit ist bereits öffentlich zugänglich und kann in der Wissenschaftsgemeinschaft diskutiert werden. Die offizielle Begutachtung von FachkollegInnen, das sogenannte Peer-Review-Verfahren, läuft derzeit noch.



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de