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MHG-Studie: Ergebnisse zu sexuellem Missbrauch vorgestellt

Prof. Harald Dreßing hat die Ergebnisse der Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche im September der Öffentlichkeit vorgestellt.

ZI-Forscher Prof. Dr. Harald Dreßing beantwortet Fragen zur MHG-Studie.

ZI-Forscher Prof. Dr. Harald Dreßing beantwortet Fragen zur MHG-Studie. Foto: ZI

Prof. Harald Dreßing, Leiter Forensische Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, hat am Dienstag, 25. September, auf der Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz  die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der umfänglichen Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz präsentiert. Demnach wurden 1.670 Kleriker zwischen 1946 und 2014 als Missbrauchsbeschuldigte innerhalb der katholischen Kirche aktenkundig. In den Personalakten der Kirche fanden sich zudem Hinweise auf 3.677 mutmaßliche Betroffene. Das waren 4,4 Prozent aller Kleriker aus den Jahren 1946 bis 2014, von denen Personalakten und weitere Dokumente in den Diözesen durchgesehen wurden. Dreßing gab die Ergbnisse in seiner Rolle als Verbundkoordinator des Forschungskonsortiums bekannt.

Hinweise auf das Ausmaß des Dunkelfelds

„Diese Zahl stellt lediglich eine untere Schätzgröße dar. Wir haben die Spitze des Eisbergs sichtbar gemacht“, sagt Prof. Dreßing. Die Befunde beziehen sich ausnahmslos auf das Hellfeld des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. „Damit unterschätzen alle Häufigkeitsangaben die tatsächlichen Verhältnisse“, erläutert Dreßing. „Die Studienergebnisse zeigen, dass das Risiko sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Strukturen der katholischen Kirche fort-besteht und konkrete Handlungen nötig sind, um Risikokonstellationen entgegenzuwirken“, resümiert Prof. Dreßing. Der ausführliche Abschlussbericht der Forscher ist hier einsehbar.

Bislang umfangreichste Studie

Am Forschungskonsortium unter der Koordination von Prof. Dreßing waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit sowie der Universitäten Heidelberg und Gießen beteiligt. Die katholische Kirche hatte die Wissenschaftler mit der Untersuchung im Jahr 2014  beauftragt. Der in der Studie gewählte Forschungsansatz ist in dieser Breite in keiner der bisher publizierten nationalen und internationalen Studien zu dieser Thematik zum Einsatz gekommen. Die Forscher nutzten bei der sogenannten MHG-Studie (MHG steht für Mannheim, Heidelberg und Gießen) voneinander unabhängige Informationsquellen. Dabei wurden in sieben Teilprojekten  qualitative und quantitative Forschungsmethoden kombiniert sowie kriminologische, psychologische, soziologische und forensisch-psychiatrische Kompetenzen einbezogen.

Forscher aus Mannheim, Heidelberg und Gießen beteiligt

Neben Dreßing gehörten Prof. Dr. Dieter Dölling und Prof. Dr. Dieter Hermann (beide Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg), Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse und Prof. Dr. Eric Schmitt (beide Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Britta Bannenberg (Professur für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug, Universität Gießen) sowie Prof. Dr. Hans-Joachim Salize (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit) zum Forschungskonsortium.