ESPRIT / ESCA

ESPRIT / ESCA

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) koordiniert zwei mit über sechs Millionen Euro geförderte Verbundprojekte im nationalen Forschungsnetz für psychische Störungen:

Wie die Bundesministerin Johanna Wanka in der Berliner Charité am 17.02.2014 bekanntgegeben hat, wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein „Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen“ für die Dauer von vier Jahren fördern. In einem „hoch kompetitiven Verfahren“, so das BMBF, wurden aus 46 Vorschlägen neun Projekte ausgewählt. Davon werden zwei Verbünde - ESPRIT und ESCA - vom ZI aus koordiniert und erhalten über sechs Millionen Euro. Das 2012 vom BMBF ausgeschriebene „Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen“ hat die Entwicklung von diagnostischen, therapeutischen und präventiven Konzepten auf Basis von aktuellem Wissen über die Krankheitsentstehung und deren Mechanismen zum Inhalt. Neue oder bislang nicht ausreichend validierte Ansätze sollen auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden und deren Erprobung in der Praxis für eine hohe Versorgungsrelevanz sorgen. Insgesamt wird das Forschungsnetz im Zeitraum 2014 bis 2018 mit bis zu 35 Millionen Euro durch das BMBF gefördert werden. Von bundesweit neun trägt das ZI zwei dieser Verbundprojekte.Der Forschungsverbund ESPRIT (Enhancing Schizophrenia Prevention and Recovery through Innovative Treatments) wird sich unter der Leitung von Professor Andreas Meyer-Lindenberg (Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am ZI) mit der Verbesserung der Prävention und Genesung bei Schizophrenie beschäftigen. Insgesamt acht universitäre Partner (RWTH Aachen, Charité Berlin, Bonn, Düsseldorf, Köln, ZI / Heidelberg, LMU München, Tübingen) bilden den Verbund. 

ESPRIT hat drei Ziele zum Inhalt: Erstens sollen neue Präventions- und Behandlungsansätze bei Schizophrenie erforscht werden. Dazu wird in einer Gruppe von Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko die Wirksamkeit einer medikamentösen Prävention mit einem psychotherapeutischen Verfahren verglichen werden.

Das zweite Ziel beschäftigt sich mit der Verbesserung des Genesungsprozesses im Anschluss an eine Behandlung, wenn möglich in einem frühen Stadium der Erkrankung. Drittens sollen erfolgreiche Behandlungsansätze auf ihre Einsatzmöglichkeit im Versorgungsalltag überprüft werden. Bewilligt wurden 3,4 Millionen Euro.

Der zweite Forschungsverbund ESCAlife (Evidence-based, Stepped Care of ADHD along the life-span) beschäftigt sich mit der evidenzbasierten, stufenweisen Versorgung der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) über die Lebensspanne.

Koordinator ist Professor Tobias Banaschewski (Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am ZI). Der Verbund besteht aus neun universitären Partnern (Bochum, Köln, Freiburg, Mannheim, Marburg, Rostock, Saarland, Tübingen und Würzburg).

ADHS ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, die sich zumeist auch im Erwachsenenalter fortsetzt. Trotz vorhandener Behandlungsforschung besteht nach wie vor der Bedarf an individuellen Therapiestrategien.

Das Arbeitsprogramm von ESCA beinhaltet fünf Aspekte. Erstens: die Erarbeitung eines Ansatzes für die Behandlung von ADHS über die gesamte Lebensspanne, der die Chronizität von ADHS berücksichtigten soll. Zweitens die Entwicklung eines Therapiealgorithmus, der von der frühzeitigen Prävention und Intervention bis hin zu umfangreichen multimodalen Interventionen reichen soll und das breite klinische Spektrum der ADHS sowie die komorbiden Erkrankungen miteinbeziehen wird. Drittens: die Entwicklung eines gestuften Präventions- und Behandlungsansatzes („Stepped Care“), der eine Steigerung der Therapiewirkung verspricht. Viertens strebt der Verbund den Einsatz therapeutischer Ressourcen in Abhängigkeit von Ausmaß und Verlauf der individuellen Beeinträchtigung an. Beispielsweise soll im Verbund eine Telefon-unterstützte Selbsthilfe für Vorschulkinder durch Eltern und Erzieher erprobt werden. Schlussendlich sollen in einem translationalen Ansatz die biologischen und psychosozialen Prädiktoren für die Vorhersage der Behandlungsergebnisse miteinbezogen werden. Bewilligt wurden 3,1 Millionen Euro.