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Covid-19-Pandemie: Bedarf an digitalen Gesundheitsdiensten groß

Telemedizinische Angebote, Gesundheits- und Medizin-Apps haben das Potenzial, die psychosozialen Folgen der Covid-19-Pandemie deutlich zu verringern. Doch dafür muss sich einiges ändern.

Eine Frau sucht sich mit Hilfe ihres Smartphones psychische Unterstützung.

Viele Gesundheits- und Medizin-Apps aus den App-Stores sind laut Experten nicht empfehlenswert. Foto: istockphoto.com / © hsyncoban

Evidenzbasierte digitale Gesundheitsdienste, wie Gesundheits- und Medizin-Apps, Videosprechstunden oder internetbasierte Angebote, könnten eine zentrale Rolle spielen, um die psychosozialen Folgen der Covid-19-Pandemie zu minimieren. Die aktuelle Datenlage zur psychischen Gesundheit der Bevölkerung spricht für einen Bedarf an digitalen Gesundheitsdiensten. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Aspekte der sozialen Isolation“ des Kompetenznetzes Public Health Covid-19, an der auch WissenschaftlerInnen des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim beteiligt sind. 

Mangelnde Qualitätskontrolle und Datenschutzrisiken

Die WissenschaftlerInnen der Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass die Wirkungsweise bei digitalen Gesundheitsdiensten vor allem gut erforscht und belegt sei, wenn diese durch Gesundheitsberufe beratend oder therapeutisch begleitet werden. „Von Gesundheits- und Medizin-Apps aus den App-Stores, wie sie große Teile der Bevölkerung nutzen, raten wir dagegen ab“, sagt Prof. Dr. Ulrich Reininghaus, Leiter der Abteilung Public Mental Health am ZI. Ausschlaggebend dafür seien vor allem Risiken im Bereich Datensicherheit und Datenschutz sowie die mangelnde Kontrolle der Qualität. „Meist ist die Wirkungsweise solcher Apps aus den App-Stores nie wissenschaftlich untersucht worden. Es ist also völlig unklar, ob und wie diese Apps tatsächlich auf die psychische Gesundheit wirken“, sagt Prof. Reininghaus. Er hat die Empfehlungen unter dem Titel „Digitale Public Mental Health Ansätze zur Verminderung der psychosozialen Folgen der Covid-19-Pandemie“ mit weiteren KollegInnen erstellt. 

Präventionsstrategie für Krisen entwickeln

Vor allem Einrichtungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung sollten daher digitale Gesundheitsdienste anbieten. Dies könnte bei Isolations- und Quarantänemaßnahmen sogar routinemäßig erfolgen. Die WissenschaftlerInnen raten EntscheidungsträgerInnen im Bereich der Gesundheitsversorgung außerdem dazu, Strategien für Krisen zu entwickeln, um die psychische Gesundheit zu fördern und präventiv zu wirken. 

Das Kompetenznetz Public Health Covid-19 ist ein Ad-hoc-Zusammenschluss von über 25 wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus dem Bereich Public Health, die ihr Fachwissen bündeln und mehrere Tausend WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten.


Alle Ergebnisse und Empfehlungen zu digitalen Public-Mental-Health-Ansätzen sind hier zu finden.  



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de