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Erfolgreiche Bewerbung für Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit

Die Forschungsallianz ZIHUb hat sich dafür qualifiziert, ab Mitte 2021 gemeinsam mit weiteren ausgewählten Forschungsstandorten das neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit zu konzipieren.

Ein besonderes Gewicht legt der konzeptionelle Ansatz auf eine umfassende Einbindung von Betroffenen. Aufklärung über psychische Erkrankungen, Entstigmatisierung und die Vermittlung von Wissen zur Hilfe und Selbsthilfe gehören ebenfalls dazu.

Ein besonderes Gewicht legt der konzeptionelle Ansatz auf eine umfassende Einbindung von Betroffenen. Aufklärung über psychische Erkrankungen, Entstigmatisierung und die Vermittlung von Wissen zur Hilfe und Selbsthilfe gehören ebenfalls dazu. Foto: istockphoto.com / © rclassenlayouts

Die Forschungsallianz ZIHUb, koordiniert vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) und mit Beteiligung von WissenschaftlerInnen der Universitäten Heidelberg und Ulm, ist im Bewerbungsprozess für ein neues Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit erfolgreich. Die Allianz hat sich im Rahmen eines anspruchsvollen internationalen Begutachtungsverfahrens dafür qualifiziert, ab Mitte 2021 gemeinsam mit weiteren ausgewählten Forschungsstandorten das neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit zu konzipieren. In Form der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung fördert der Bund die langfristige Vernetzung exzellenter Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, neue medizinische Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung zu bringen. Im vergangenen Jahr wurden zwei neue Zentren zur Konzeption ausgeschrieben – ein Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit und ein Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit.

Fokus auf soziale Interaktionen

Im Rahmen des zweistufigen Auswahlverfahrens qualifizierter Standorte für das neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit konnten die ZIHUb-ForscherInnen überzeugend aufzeigen, wie mit vereinten Ressourcen der translationale Kreislauf in der Psychiatrie – von der Erforschung individueller Risiko- und Resilienzfaktoren über die Entwicklung neuer Therapien bis hin zum Erreichen großer Teile der Bevölkerung mittels mobiler digitaler Technologien – deutlich beschleunigt und so die psychische Gesundheit der Bevölkerung messbar verbessert werden kann. 21 WissenschaftlerInnen des ZI, 8 ForscherInnen aus Heidelberg und 7 aus Ulm waren an dem Antrag maßgeblich beteiligt.

Im Mittelpunkt des vorgeschlagenen Forschungsprogramms steht dabei ein Fokus auf soziale Interaktionen in besonders relevanten Zeitabschnitten, bei früher Traumatisierung und in der Adoleszenz. Die breite Expertise des ZI als Deutschlands größter Forschungseinrichtung in der Psychiatrie kommt hierbei zusammen mit der Exzellenz in der Psychotherapieforschung, Traumaforschung, und Versorgungsforschung in den Partnerstandorten Heidelberg und Ulm. Hinzu kommt die Forschungskompetenz des Deutschen Krebsforschungszentrums im Bereich der Untersuchung zellulärer und molekularer Biomarker. Alle Partner verbinden langjährige intensive Kollaborationen. 

Umfassende Einbindung von Betroffenen

Ein besonderes Gewicht legt der konzeptionelle Ansatz auf eine umfassende partizipative Einbindung der Betroffenen und ihrer Perspektiven in allen Bereichen der Forschung. Aufklärung über psychische Erkrankungen, Entstigmatisierung und die Vermittlung von Wissen zur Hilfe und Selbsthilfe auch mittels innovativer digitaler Infrastrukturen bilden einen weiteren Schwerpunkt des gemeinsamen Arbeitsprogramms. „Das ZI steht seit seiner Gründung für innovative therapiegeleitete Forschung von den Grundlagen in die Versorgung“, sagt Professor Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor und Vorstandsvorsitzender des ZI und Standortkoordinator von ZIHUb. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun die Möglichkeit haben, gemeinsam mit unseren Partnern aus Heidelberg und Ulm diese Expertise in das neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit einzubringen.“

„Alle drei Standorte stellen das Individuum in seiner sozialen Umwelt in den Mittelpunkt ihrer Forschung“ sagt Prof. Dr. Sabine C. Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg. „Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit eröffnet eine einmalige Möglichkeit, die Anstrengungen auf das gemeinsame Ziel zu richten, innovative Behandlung auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zuzuschneiden.“

„Scham und Stigma führen heute noch häufig dazu, dass Personen mit psychischen Erkrankungen, gerade solche, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, nicht oder nicht rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie Ulm und Sprecher des Zentrums für Traumaforschung Ulm. „Wir wollen deshalb nicht nur Betroffene und ihre Angehöre, sondern die gesamte Gesellschaft besser über die Bedeutung seelischer Gesundheit informieren.“

Das Verfahren zur Etablierung des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit sieht vor, dass im nächsten Schritt die designierten Standorte untereinander abgestimmte Arbeitspläne entwickeln und Förderanträge stellen.



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de