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Graduiertenkolleg erforscht Auswirkungen von Kindheitstraumata

Das Graduiertenkolleg 2350 untersucht die Einflüsse früher Traumatisierungen auf Erwachsene. Die Forscher unter Beteiligung des ZI haben nun erste Studien gestartet und suchen dafür Betroffene.

Graduiertenkolleg erforscht Auswirkungen von Kindheitstraumata

Bei einem Retreat stellten die DoktorandInnen Teile ihrer Forschungsarbeiten vor. Foto: ZI

Graduiertenkolleg erforscht Auswirkungen von Kindheitstraumata

Die DoktorandInnen diskutieren ihre Forschungsvorhaben und tauschen sich regelmäßig aus. Foto: ZI

Traumatische Kindheitserfahrungen haben erhebliche Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit. Betroffene kämpfen oft als Erwachsene noch mit den Spätfolgen des Traumas. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg (GRK) 2350 untersucht die Mechanismen dieser Schädigung, die immer noch nicht ausreichend verstanden werden. In 15 Projekten arbeiten zwölf Professoren und drei NachwuchswissenschaftlerInnen vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim sowie dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zusammen. Über 20 internationale Absolventinnen und Absolventen der Fächer Medizin, Psychologie, Biologie und verwandter Naturwissenschaften wurden sorgfältig ausgewählt und haben die Möglichkeit, über das Graduiertenkolleg ihren Doktortitel zu erlangen.

Auswirkungen von Traumatisierung auf verschiedene Ebenen

Forscher und Doktoranden wollen untersuchen, zu welchen Veränderungen und Folgeerkrankungen frühe Traumatisierungen führen können und welche Rolle Faktoren wie Art, Zeitpunkt und Intensität der belastenden Kindheitserfahrungen dabei spielen. Im Bereich der neurobiologischen Forschung werden beispielsweise Hirnveränderungen untersucht, um zu überprüfen, inwiefern es zu Abweichungen im Volumen und der Funktionsweise des Gehirns nach Traumatisierungen kommt. Dies könnte wichtige Hinweise für eine bessere Behandlung von Betroffenen geben. Die Forscher nutzen verschiedene Verfahren, etwa die Magnetresonsanztomographie (MRT), um mögliche Hirnveränderungen sichtbar zu machen.

Alltagsnahe Forschungsansätze

Sehr alltagsnah wird in einem anderen Projekt beispielsweise mit Hilfe von Smartphones die Verarbeitung von Gefühlen und zwischenmenschlichen Problemen untersucht. Dabei wird den Teilnehmern ein Studien-Smartphone über mehrere Tage zur Verfügung gestellt, mit dem wiederholt unter anderem die aktuelle Stimmung, Begegnungen mit anderen, sowie Erinnerungen an traumatische Erlebnisse in der Kindheit abgefragt werden. Die gewonnenen Daten werden daraufhin analysiert. In einer weiteren Studie, für die Freiwillige gesucht werden, wird der Einfluss traumatischer Kindheitserfahrungen auf die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit untersucht.

Grundlegende Mechanismen verstehen

„Das Graduiertenkolleg 2350 ist sehr wichtig, um in der Erforschung von Traumatisierungen weiter voranzuschreiten. Noch immer sind viele grundlegende Mechanismen nicht verstanden“, sagt Prof. Dr. Christian Schmahl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am ZI und Leiter des Graduiertenkollegs 2350. Schmahl und seine ForscherkollegInnen erhoffen sich durch die Arbeiten im Zuge des DFG-Projekts zudem, schützende Faktoren zu identifizieren, um Betroffenen künftig effektiver helfen zu können.

Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler

Im Zuge eines zweitägigen Retreats konnten sich die DoktorandInnen und ProjektleiterInnen in der vergangenen Woche über den aktuellen Stand ihrer Studien austauschen. Neben Poster-Vorstellungen und Diskussionsrunden wurde das wissenschaftliche Programm durch Vorträge der Gastrednerinnen Prof. Dr. Bernet Elzinga („Childhood Trauma and Family Matters“) und Prof. Dr. Christine Heim („Understanding and Mitigating the Impact of Early Life Stress on Disease Risk“) ergänzt.

Teil des Graduiertenkollegs ist auch die Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden. Neben der Arbeit in ihren jeweiligen Projekten, besuchen diese ein strukturiertes Betreuungs- und Qualifizierungsprogramm. Damit soll neben der wissenschaftlichen Ausbildung auch die persönliche Weiterentwicklung der TeilnehmerInnen gefördert werden. Es wird ein umfassendes Lehrprogramm geboten, bestehend aus Seminaren, Workshops und (inter)nationalen Praktika.

Weitere Informationen über die einzelnen Forschungsprojekte



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de