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Initiative „Stark im Sturm“ hilft Kindern psychisch und suchterkrankter Eltern

Wenn Eltern psychisch oder suchtkrank werden, ist oft die ganze Familie betroffen. Vor allem Kinder sind belastet. Die Initiative „Stark im Sturm“ hilft, die richtige Unterstützung zu finden.

Das Team der Initiative „Stark im Sturm“ möchte die Unterstützung für psychisch oder suchterkrankte Eltern und ihre Kinder voranbringen.

Das Team der Initiative „Stark im Sturm“ möchte die Unterstützung für psychisch oder suchterkrankte Eltern und ihre Kinder voranbringen. Foto: © ZI/Nikola Haubner

In Deutschland leben schätzungsweise drei Millionen Kinder psychisch erkrankter Eltern und 2,6 Millionen Kinder mit einer suchterkrankten Mutter oder einem suchterkrankten Vater. Fällt mindestens ein Elternteil zeitweise oder ganz als wichtige Bezugsperson aus, sind damit erhebliche Belastungen für die Kinder verbunden, die deren weiteres Leben stark beeinträchtigen können. Kleinere Kinder erhalten weniger emotionale Wärme und Zuneigung als Gleichaltrige aus intakten Familien. Ältere Kinder haben Schuldgefühle und übernehmen oft ein Übermaß an Verantwortung, halten den Haushalt aufrecht und versorgen jüngere Geschwister. Die eigenen Bedürfnisse stellen diese Kinder oft zurück, ihr schulischer Erfolg leidet und der für die eigene Entwicklung wichtige Austausch mit Gleichaltrigen bleibt auf der Strecke. Im Laufe Ihres Lebens haben diese Kinder ein sehr hohes Risiko, selbst eine psychische Erkrankung oder eine Suchterkrankung zu entwickeln. 

Hilfe kommt häufig nicht an

Der Bedarf an verbesserten Versorgungsstrukturen und Netzwerken für betroffene Kinder ist sehr groß. Es gibt zwar mittlerweile Hilfsangebote, wie Eltern- oder Familienberatung, Kindergruppen oder Patenschaftsprogramme, die sich gezielt an Kinder psychisch oder suchterkrankter Eltern und deren Familien richten. Dennoch kommt die Hilfe häufig nicht in den Familien an. Einerseits blockieren Schuldgefühle der Eltern und Scham über das subjektiv empfundene eigene Unvermögen die Annahme der nötigen Unterstützung, andererseits scheitert passgenaue Hilfe dadurch, dass die verschiedenen Hilfssysteme nicht ausreichend vernetzt oder den Betroffenen nicht bekannt sind. Genau hier setzt „Stark im Sturm“ an. 

Grundlage für ein besseres Familienleben

Die Initiative hat Kinderbeauftrage am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, der Klinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg und der Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) in Wiesloch etabliert. Die Kinderbeauftragten helfen direkt vor Ort auf den Stationen der psychiatrischen Krankenhäuser. Ihre Aufgabe ist es, psychisch und suchterkrankte Eltern während ihres Krankenhausaufenthalts mit den richtigen Beratungsstellen und Hilfseinrichtungen in Verbindung zu bringen. 
Die Kinderbeauftragten behalten ab dem ersten Gespräch mit den Eltern die Kinder im Blick. Sie setzen sich für das Wohl der Kinder ein und fördern deren psychische Widerstandskraft. Gemeinsam mit den Eltern schärfen sie den Blick für Überforderungssituationen und ermutigen, Hilfsangebote anzunehmen. Auf diese Weise schaffen sie die Grundlage für ein besseres Familienleben.

Ermutigen, offen über Erkrankung zu sprechen

­­­­­­Gerade die Mitarbeitenden in psychiatrischen Kliniken einzubeziehen, ist ein wichtiger Teil des Projekts und bislang in Deutschland wenig verbreitet. „Wir wollen dazu ermutigen, offen über die elterliche Erkrankung zu sprechen und so Hemmnisse und Ängste abbauen, damit effektive Hilfen auch wirklich in Anspruch genommen werden“, sagt Dr. Yvonne Grimmer, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am ZI. Zusammen mit PD Dr. Anne Koopmann, Oberärztin an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI, hat sie die Initiative „Stark im Sturm“ aufgebaut. „Angehörige von psychisch und Suchterkrankten erhalten durch Kooperationen zwischen den Ambulanzen nun schneller einen Termin in der entsprechenden Fachambulanz der anderen Klinik, wenn dies nötig ist. Das ist nur ein Beispiel für den Abbau von Barrieren, den wir vorantreiben wollen“, sagt PD Dr. Anne Koopmann. 

Eltern ermutigen, Hilfsangebot für Kinder anzunehmen

Die Dietmar Hopp Stiftung fördert das Projekt mit 275.000 Euro. „Kinder liegen unserem Stifter besonders am Herzen. Das Konzept der Kinderbeauftragten hat uns überzeugt. Wir hoffen, dass damit die Kinder gleich zu Beginn der Behandlung der Eltern die dringend nötige Aufmerksamkeit bekommen und so häufiger und schneller eine passende Unterstützung erhalten können,“ erläutert Dr. Jennifer Fischer, Referentin für den Bereich Medizin der Dietmar Hopp Stiftung. 


Weitere Informationen zur Initiative „Stark im Sturm“ finden Sie hier.



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de