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Künstliche Intelligenz für psychische Gesundheitsförderung

Das Wissenschaftsministerium fördert ein Reallabor am ZI, in dem Künstliche Intelligenz für die personalisierte psychische Gesundheitsförderung von jungen Menschen eingesetzt werden soll. 

Ein Jugendlicher sitzt in seinem Zimmer auf dem Bett und nutzt sein Smartphone.

Gerade Apps für Smartphones gelten bei der Förderung der psychischen Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als äußerst vielversprechend. Foto: adobe.stock.com © Rawpixel.com

Jugendliche und junge Erwachsene sind in besonderem Maße von psychischen Gesundheitsproblemen betroffen. Studien zeigen, dass auch im Zuge der Covid-19-Pandemie besonders junge Menschen durch Kontaktbeschränkungen und soziale Isolation psychisch stark belastet sind. Doch klassische Präventionsangebote und psychische Gesundheitsförderung werden von Jüngeren kaum in Anspruch genommen. „Apps für Smartphones sind hier vielversprechend, denn Sie können genau diese Barriere überwinden“, sagt Prof. Dr. Ulrich Reininghaus, Leiter der Abteilung Public Mental Health am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Es gibt in den App-Stores zwar viele Gesundheits-Apps, doch bislang kein wissenschaftlich überprüftes, sicheres Angebot, das auch nachweislich die psychische Gesundheit fördert. „Gerade die schnellen Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Digitalisierung bieten viel Potenzial für die Prävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, glaubt Prof. Reininghaus. 

Partner bringen Erfahrungen in App-Entwicklung ein

Deshalb möchte ein interdisziplinäres Forschungsteam am ZI und der Universität Ulm personalisierte digitale Trainings zur psychischen Gesundheitsförderung für Jugendliche und junge Erwachsene entwickeln und in einem Reallabor zum Einsatz bringen. Die Besonderheit des vom Wissenschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg mit 800.000 Euro geförderten Reallabors ist ein partizipativer Forschungsansatz, bei dem Einrichtungen aus den Bereichen Erziehungsberatung, schulpsychologische Beratung, Schulsozialarbeit, Medienpädagogik und Versorgung von jungen Menschen mit Fluchterfahrung unmittelbar beteiligt werden. Die Partner können neben Jugendlichen und jungen Erwachsenen während der dreijährigen Projektphase im Reallabor ihre unterschiedlichen Erfahrungen in die App-Entwicklung und die -testung einbringen. 

Ministerin Bauer: Gesellschaftlich hoch relevantes Anwendungsfeld

„Reallabore haben das Ziel, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen zu bringen und gemeinsam an relevanten Themen zu forschen – so auch im Zukunftsfeld Künstliche Intelligenz. Ich freue mich sehr, dass sich die Beteiligten am neuen Reallabor des ZI in Mannheim mit einem gesellschaftlich hoch relevanten Anwendungsfeld – der psychischen Gesundheitsförderung junger Menschen – beschäftigen. Ich bin gespannt, welches Potenzial KI-Anwendungen in den breit gewählten Bereichen bieten, um auf digitalem Wege zu helfen oder auch zur Prävention beizutragen“, sagt Wissenschaftsministern Theresia Bauer.

KI kann das digitale Training optimieren

„Mit der im Reallabor entwickelten App sollen Jugendliche und junge Erwachsene ein für sie und ihre jeweilige Situation individuell zugeschnittenes digitales Training erhalten, das deren emotionale Resilienz stärkt“, sagt Dr. Georgia Koppe, Leiterin der Arbeitsgruppe Computational Psychiatry am ZI. Die TeilnehmerInnen lernen mit der App beispielsweise, Stress und belastende Situationen bewusster wahrzunehmen, das eigene Verhalten zu reflektieren und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) soll das digitale Training optimiert werden. „Wir sind mit Hilfe von KI in der Lage, aus den fortlaufenden Daten Modelle zu entwickeln, auf deren Basis personalisierte Trainingsvorschläge gegeben werden“, sagt Prof. Dr. Daniel Durstewitz, Leiter der Abteilung Theoretische Neurowissenschaften am ZI. Die verwendeten Algorithmen und Quellcodes sollen im Reallabor transparent gemacht und die beteiligten Jugendlichen über Künstliche Intelligenz und deren Verwendungsweise aufgeklärt werden. 

Nachhaltigkeit der entwickelten Hilfen

Reininghaus, Durstewitz und Koppe sehen ein erhebliches Innovationspotenzial, um niederschwellig personalisierte Angebote zur psychischen Gesundheitsförderung zu machen. „Wir erhoffen uns durch das Projekt des Reallabors, dass die entwickelten Hilfen nachhaltig sind und auch nach der Förderung weiter Bestand haben“, sagt Prof. Reininghaus. 
Neben dem ZI hat auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Landesförderung für ein Reallabor erhalten. Dieses beschäftigt sich mit den Grundlagen für die Entwicklung zukünftiger humanoider Roboter.



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de