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3R-Zentrum Rhein-Neckar: Tierschutz stärken und Methoden verbessern

Mit dem neuen 3R-Zentrum Rhein-Neckar wird das Engagement für den Tierschutz in der Forschung künftig in der Region gemeinsam vorangetrieben und die Anzahl der Tierversuche weiter reduziert.

Das 3R-Zentrum unterstützt Forschungsprojekte, die Daten mit Hilfe alternativer Ansätze gewinnen, etwa Zellsysteme und Organoide. Dadurch soll die Anzahl an Tierversuchen weiter verringert werden.

Das 3R-Zentrum unterstützt Forschungsprojekte, die Daten mit Hilfe alternativer Ansätze gewinnen, etwa Zellsysteme und Organoide. Dadurch soll die Anzahl an Tierversuchen weiter verringert werden. Foto: Fotolia.com © cassis

Das neue 3R-Zentrum Rhein-Neckar ist gestartet. Damit wird das Engagement in der Rhein-Neckar-Region für den Tierschutz in der Forschung nach dem international anerkannten 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine – Vermeiden, Verringern, Verbessern) künftig gemeinsam vorangetrieben. Die beteiligten Partner, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), die Universitätsmedizin Mannheim sowie die Universität Heidelberg intensivieren die Vernetzung und wollen so die Anzahl der Tierversuche weiter reduzieren und die Belastungen der Versuchstiere durch Optimierung von Methoden und Messverfahren so weit wie möglich verringern. Gefördert wird das 3R-Zentrum Rhein-Neckar durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Vorhandene Expertise bündeln 

In Baden-Württemberg und in der Region Rhein-Neckar existieren eine Vielzahl an biomedizinischen Forschungseinrichtungen, an denen auch Tierversuche stattfinden. Daher kommt der Frage des Tierschutzes eine besondere Bedeutung zu. Mit dem 3R-Zentrum Rhein-Neckar fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg nun erweiterte Bemühungen, das international anerkannte 3R-Prinzip zu stärken. „Ich freue mich, dass das ZI, die Universitätsmedizin Mannheim sowie die Universität Heidelberg ihre langjährige Erfahrung in diesem Bereich in das neue 3R-Netzwerk einbringen und mit dazu beitragen, den Tierschutz in Forschung und Lehre landesweit voranzubringen. Das Netzwerk bringt alle Standorte der biomedizinischen Forschung in Baden-Württemberg zusammen, bündelt die breit vorhandene Expertise und zielt dabei neben einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Tierschutz auch auf die Verbesserung der Forschungsqualität insgesamt ab. Das 3R-Zentrum Rhein-Neckar ergänzt dabei mit seinem Fokus auf ‚Refine‘ und ‚Reduce‘ das ‚3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen‘ in Tübingen/Reutlingen, das wir schon seit dem letzten Jahr unterstützen, ideal“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Deutliche Reduzierung der Tierversuche

Das 3R-Prinzip basiert auf den drei folgenden Aspekten: Erstens sollen Tierversuche möglichst durch geeignete Alternativen ersetzt werden (Replace). Ist dies nicht möglich, so gilt es zweitens, die Anzahl an Tierversuchen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren (Reduce). Drittens sollen durch die Optimierung von wissenschaftlichen Methoden und Messverfahren, die sorgfältige Auswahl von Tiermodellen und die artgerechte Haltung die Bedingungen für die Versuchstiere so weit wie möglich verbessert werden (Refine). „Wir haben bereits über viele Jahre im Sinne des 3R-Prinzips neue Wege beschritten, die zu einer deutlichen Reduzierung der Tierversuche am ZI geführt haben. Mit dem neuen 3R-Zentrum können wir weiteres Potenzial identifizieren und mit unseren Partnern gemeinsam den Tierschutz stärken“, sagt Prof. Dr. Rainer Spanagel, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Psychopharmakologie am ZI und einer der Initiatoren des neuen Zentrums. 

Anlaufstelle und Unterstützung für TierforscherInnen

Eine wichtige Aufgabe des Zentrums ist es, Tierversuche in der Rhein-Neckar-Region künftig noch besser zu koordinieren, den Austausch von Know-how und gegenseitiger Hilfestellung zu ermöglichen, so dass immer der höchste Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse umgesetzt werden kann. Eine Datenbank soll helfen, den gemeinsamen Austausch der Labore zu erleichtern. Das neue Zentrum soll eine feste Anlaufstelle sein (single point of contact), wenn es um das Design neuer Experimente geht. „Wir erhoffen uns, dass auf diese Weise das 3R-Prinzip wirksam umgesetzt werden kann und damit unnötige Tierversuche vermieden werden können“, sagt Dr. Marcus Meinhardt, Koordinator des neuen 3R-Zentrums Rhein-Neckar. 
Das 3R-Zentrum Rhein-Neckar möchte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits in der experimentellen Tierforschung arbeiten oder dies beabsichtigen, einbinden, denn sie sind am besten in der Lage, ihre Versuche im Sinne des Tierwohls zu verfeinern und die Anzahl der Versuche zu reduzieren. Daher sollen im 3R-Zentrum Forscherinnen und Forscher Unterstützung bei der Auswahl sinnvoller Tiermodelle, Trainings zu den 3R-Prinzipien und spezielle Seminare erhalten. Dabei geht es auch um den freien Zugang zu Forschungsergebnissen. Das 3R-Zentrum Rhein-Neckar engagiert sich für die Open-Science-Grundsätze und ermuntert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach diesen Grundsätzen zu arbeiten und zu publizieren. 

Daten mit Hilfe alternativer Ansätze gewinnen

Um Tierversuche weiter zu reduzieren, unterstützt das 3R-Zentrum Forschungsprojekte, die Daten mit Hilfe alternativer Ansätze gewinnen. Dazu zählen etwa Labortests an Zellsystemen und Organoide (in vitro Ansätze) sowie Versuche mit Hilfe von Computermodellen und -simulationen beziehungsweise mit Hilfe des Abrufs von bereits erhobenen Daten aus speziellen Datenbanken (in silico). Solche Big-Data-Ansätze bergen im Bereich der präklinischen Neurowissenschaften großes Potenzial für den Tierschutz in der Forschung. „Trotz der enormen Bemühungen und der bislang erzielten Fortschritte bei den In-Vitro- und In-Silico-Ansätzen ist es derzeit allerdings nicht möglich, ganz auf Tierversuche in der biomedizinischen Forschung zu verzichten“, sagt Spanagel.
Neben dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit sind die Interfakultäre Biomedizinische Forschungseinrichtung (IBF) an der Universität Heidelberg und die Universitätsmedizin Mannheim beteiligt.



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de