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Internationale Kommission fordert: Psychische Gesundheit bei Umwelt- und Klimapolitik stärker berücksichtigen

Hitze, Luftverschmutzung und Lärm können die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Eine internationale Kommission mit Beteiligung des ZI fordert deshalb ein Umdenken in der Umwelt- und Klimapolitik.

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Ein alter Mann sitzt erschöpft auf einer Bank in der Sommerhitze.

Die Folgen des Klimawandels können die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Foto: stock.adobe.com © valiantsin

Klimawandel, zunehmende Hitze, Luftverschmutzung, Lärm und belastende Lebensbedingungen in Städten sind Faktoren, die sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken können. Eine internationale Kommission aus mehr als 20 Fachleuten fordert deshalb, die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die psychische Gesundheit künftig stärker bei politischen Entscheidungen zu berücksichtigen. Ihre Empfehlungen hat die Earth Brain Health Commission jetzt in der Fachzeitschrift Nature Mental Health veröffentlicht. An dem Bericht waren auch Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, und Dr. Sebastian Karl, Wissenschaftler am ZI, beteiligt.

Psychische Gesundheit bei politischen Entscheidungen mitdenken

Die Kommission hat wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Umweltbedingungen auf das Gehirn und die psychische Gesundheit zusammengetragen. Demnach stehen unter anderem extreme Wetterereignisse, Luft- und Lärmverschmutzung, städtische Stressfaktoren und soziale Ungleichheit mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen in Zusammenhang. Besonders gefährdet sind unter anderem Kinder, ältere Menschen und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

„Die Untersuchung der Prozesse, die den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Psyche zugrunde liegen, ist von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Denn nicht nur verschlechtert sich die Gesundheit der Bevölkerung durch Effekte wie Hitzewellen deutlich, sondern auch Menschen mit psychischen Erkrankungen sind davon in besonderem Maße betroffen“, sagt Meyer-Lindenberg. 

Die Fachleute fordern, die psychische Gesundheit künftig systematisch bei der Planung und Bewertung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zu berücksichtigen. So sollen beispielsweise Maßnahmen gegen Hitze und Luftverschmutzung auch danach bewertet werden, wie sie sich auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Dazu empfiehlt die Kommission unter anderem, bestehende Forschungsdaten besser zu verknüpfen und Frühwarnsysteme für Hitze und schlechte Luftqualität mit Angeboten zum Schutz der psychischen Gesundheit zu verbinden.

Umweltfaktoren als Forschungsschwerpunkt am ZI

Wie Umweltbedingungen die psychische Gesundheit beeinflussen, gehört seit vielen Jahren zu den Forschungsschwerpunkten von Andreas Meyer-Lindenberg am ZI. Dabei untersucht er sowohl belastende Einflüsse wie sozialen Stress als auch mögliche Schutzfaktoren wie Naturerleben und soziale Beziehungen. Im vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekt HOTHEAD erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am ZI zudem, wie Hitze aggressives Verhalten beeinflusst.

Mit ihrem Bericht will die internationale Kommission dazu beitragen, Erkenntnisse aus der Forschung stärker in politische Entscheidungen einfließen zu lassen. Ihr Ziel ist es, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre keine größeren umweltpolitischen Maßnahmen mehr geplant oder bewertet werden, ohne mögliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu berücksichtigen.

Originalpublikation

Schumann, G., Luterbacher, J., Marquand, A. et al. Nature Mental Health Earth–Brain–Health Commission. Nat. Mental Health (2026). doi.org/10.1038/s44220-026-00737-y

https://www.nature.com/articles/s44220-026-00737-y



Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de