Jung, motiviert, erfolgreich
Nachwuchsforscherinnen und -forscher erhalten am ZI für ihren Start in die Wissenschaft umfassende Unterstützung.
von Janosch Deeg
Eine Karriere in der Wissenschaft ist mühsam, heißt es. Viel Konkurrenz, lange Arbeitszeiten, befristete Verträge. Auch Dr. Sibel Nayman und Dr. Eduard Maier kennen solche Argumente, aufhalten ließen sie sich davon jedoch nicht. Beide sind inzwischen erfolgreiche Nachwuchsforschende am ZI: Sibel Nayman ist Psychologische Psychotherapeutin und forscht als Wissenschaftliche Mitarbeiterin zur Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PDMS), einer zyklusabhängigen Störung im Vorfeld der Menstruation mit vorwiegend emotionalen Symptomen. Am ZI hat sie eine Anlaufstelle für Betroffene gegründet. Im Jahr 2024 ist sie mit dem Förderpreis für Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgezeichnet worden. Eduard Maier ist Arzt und Neurowissenschaftler. Er untersucht, was im Gehirn von Müttern geschieht, wenn sie sich um ihre Babys kümmern. Seit 2024 leitet er die neue Arbeitsgruppe Neurobiologie mütterlicher Fürsorge in der wissenschaftlichen Abteilung Neuropeptidforschung in der Psychiatrie.
Forschungsideen umsetzen
„Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat am ZI große Bedeutung“, sagt PD Dr. Melanie Fritz. Sie ist Leiterin des Referats für Forschungsstrategie und Forschungsförderung und berät die Early Career Researchers. „Wir möchten den jungen Kolleginnen und Kollegen dabei helfen, sich in der Forschung in Richtung Unabhängigkeit weiterzuentwickeln“, erklärt Melanie Fritz. Das bedeute, eigenständig Forschungsthemen zu definieren, Projekte zu planen und umzusetzen sowie erfolgreich Gelder für wissenschaftliche Vorhaben einzuwerben. Doktoranden und PostDocs hätten zum Beispiel die Möglichkeit, sich für Seed Money in Höhe von 10.000 Euro zu bewerben – quasi das Startkapital für eine wissenschaftliche Karriere. Sibel Nayman und Eduard Maier haben davon profitiert: Maier konnte von dem Geld Elektroden für Hirnstrommessungen kaufen, Nayman finanzierte damit ihre erste eigene Studie zur PMDS.
Warum Frauen mit PMDS vor der Menstruation unter starken psychischen und teilweise körperlichen Beschwerden leiden, ist noch weitgehend unbekannt. „Es gibt viele Wissenslücken, man versteht die Mechanismen dahinter noch kaum“, erklärt Nayman. Dieses Verständnis aber sei notwendig, um Betroffene besser behandeln zu können. „Interessanterweise beobachten wir, dass der weibliche Zyklus auch bei anderen psychischen Störungen eine Rolle spielt“, ergänzt Nayman. Aber weshalb? Und was bedeutet das für die Psychotherapie? Ihre Arbeit in der PMDS-Ambulanz und als Psychotherapeutin inspiriert Nayman zu solchen weitergehenden Fragen. Zusätzlich hat sie ehrenamtlich das Projekt Empathique mitinitiiert, das mit Videoclips über die psychische Gesundheit aufklärt. An neuen Forschungsideen mangelt es ihr nicht.
Der Neurobiologe Maier hat während seiner Doktorarbeit in Berlin an Ratten untersucht, wie das Gehirn Berührungen verarbeitet. Auch ihm kamen rasch weitere Forschungsideen: „Mich hat besonders interessiert, welche Rolle Emotionen dabei spielen.“ Am ZI untersucht er derzeit, was das bei Berührungen ausgeschüttete Kuschelhormon Oxytocin im Gehirn von stillenden Müttern bewirkt.
„Oxytocin und sein zugehöriger zellulärer Rezeptor sind überall im Gehirn zu finden. Man weiß allerdings nur in wenigen Fällen, was deren Bindung auslöst“, sagt Maier. Kann das Hormon vielleicht über den Tastsinn Lernprozesse – unter anderem beim Stillen – beschleunigen und damit die Plastizität des Gehirns erhöhen? Maier ist dabei, eine Antwort auf diese Frage zu finden.
„WIR MÖCHTEN DEN JUNGEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN DABEI HELFEN, SICH RICHTUNG UNABHÄNGIGKEIT WEITERZUENTWICKELN.“

PD Dr. Melanie Fritz
Leiterin des Referats Forschungsstrategie und Forschungsförderung
Konkrete Hilfen
Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung gibt es am ZI zahlreiche weitere Angebote für junge Forschende: Publikationen verfassen, Präsentationen erstellen, die eigene Arbeit spannend und verständlich kommunizieren, Daten korrekt auswerten. Darüber hinaus können sich junge Forscherinnen und Forscher für eine Karriere in der Wissenschaft coachen lassen: Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Welche passt am besten zu meiner Karrierestufe? Wie schreibe ich Anträge? Wie verwende ich die Gelder bestmöglich? Diese Unterstützung fruchtet: 2023 erhielt Maier 30.000 Euro von der Health + Life Science Alliance Heidelberg Mannheim, einer Forschungsallianz, die innovative Projekte fördert. „Mit dem Geld entwickeln wir eine Methode weiter, mit der man das Ablesen der Gene – etwa der Erbanlagen für Oxytocin – in Zellen bestimmen kann“, erklärt Maier. Letztlich gehe es bei der Förderung am ZI immer darum, die individuellen Fähigkeiten und Wünsche zu beachten, betont Melanie Fritz. „Wenn jemand raus aus der Wissenschaft möchte, beraten wir ihn auch hinsichtlich passender Exitstrategien und einem Plan B für die Karriere.“
Für Sibel Nayman und Eduard Maier kommt ein Ausstieg aus der Wissenschaft nicht infrage; beide brennen für die Wissenschaft. „Die Natur und das Leben haben mich schon früh fasziniert, daraus hat sich meine Liebe zur Forschung entwickelt“, begründet Eduard Maier. Und für Sibel Nayman war es wichtig, „Sinnvolles zu machen und der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können“. Am ZI können die beiden ihre Ansprüche verwirklichen.
Wichtige Zutaten für eine erfolgreiche Laufbahn in der Wissenschaft
Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden am ZI gezielt in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung gefördert. Sie profitieren von Weiterbildungen, individueller Beratung und Mentoring-Programmen. Diese Themen stehen dabei im Fokus:
- Aufbau interdisziplinärer Netzwerke, Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung
- Vermittlung akademischer und berufsrelevanter Zusatzqualifikationen
- Beratung bei der Finanzierung von Forschungsvorhaben und beim Management von Forschungsprojekten
- Unterstützung bei der Karriereplanung innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft
Fotos: © Daniel Lukac
Aus dem Jubiläumsmagazin
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) - https://www.zi-mannheim.de